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Heimatverlust in historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen der Gegenwart über Auswanderung, Flucht und Vertreibung

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Sibylle Nagel

In historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen über Auswanderung, Flucht und Vertreibung, soweit in den letzten Jahren erschienen, spielt das Thema des Heimatverlustes eine zentrale Rolle. Es geht in diesen Texten allerdings um mehr als nur den äußeren Vorgang des Reisens oder der Migration; sie lassen sich auch als verkappte Schilderungen eines inneren Vorgangs, einer psychischen Entwicklung lesen. Sie handeln nicht zuletzt auch vom Verlassen der Kindheit, von der Bewältigung der Adoleszenz und von der Erreichung bzw. der Verfehlung eines reifen Erwachsenenstatus. Wir haben es in gewissem Ausmaß stets auch mit psychologischen, mit Entwicklungsromanen zu tun. Der wie immer sentimental aufgeladene Rückblick auf die Heimat gilt im Grunde genommen der verlorenen Kindheit. Die Arbeit deckt einen Mechanismus der doppelten Bedeutung auf, der für viele andere Jugendromane charakteristisch ist, die auf den ersten Blick frei von aller (Entwicklungs-)Psychologie sind.
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1. Gegenstand der Arbeit

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Die vorliegende Arbeit befasst sich mit aktueller erzählender Jugendliteratur zweier Jahrzehnte (1990 bis 2010), die auf historische Wanderungsbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts – nämlich Auswanderung, Exil, Flucht und Vertreibung – aufgreift und in der die Motive des Heimatverlustes und des Heimatgewinns ins Zentrum gerückt werden. Es handelt sich hier zum Einen um eine Ausprägung der Reiseliteratur und zum Anderen kann von historischer und zeitgeschichtlicher Jugendliteratur gesprochen werden. Der Gattung der Reiseliteratur hat die Leserschaft in vorangegangenen Jahrhunderten enormes Interesse entgegen gebracht. Hauptfunktion einer solchen Reiseliteratur war im 17. und 18. Jahrhundert die Information über die Erschließung der Welt. Ihren Höhepunkt fand die Rezeption derartiger Werke jedoch im 19. Jahrhundert, getrieben von dem Drang nach Wissen über neue Kolonien jenseits des Mittelmeers (vorderer Orient, Afrika) und in Asien. Das Interesse am Fremden war gegen Ende des 19. Jahrhunderts stark wirtschaftlich orientiert, nach wie vor war das Reisen aber auch Abenteuer, und die Begegnung mit dem Neuen, Fremden, Andersartigen faszinierte. Vor allem zur Mitte des Jahrhunderts erschienen Reiseberichte über neu zu besiedelnde Kontinente (vor allem Nordamerika, aber auch Südamerika sowie Australien), die häufig in Tagebuchform vorgelegt wurden und in denen sich sachliche Informationen mit der (teils fantasievoll gestalteten) Schilderung der erlebten Abenteuer während des Reisens verbanden (vgl. dazu Punkt 3.1 der Arbeit). Fiktionale Veröffentlichungen über Abenteuerreisen in fernen Ländern wurden eingehend von Mikoletzky (vgl. Mikoletzky 1988) untersucht. Als herausragender Vertreter solcher teils sachlich fundierter, teils fiktional geprägter Reiseliteratur über Nordamerika ist...

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