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Heimatverlust in historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen der Gegenwart über Auswanderung, Flucht und Vertreibung

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Sibylle Nagel

In historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen über Auswanderung, Flucht und Vertreibung, soweit in den letzten Jahren erschienen, spielt das Thema des Heimatverlustes eine zentrale Rolle. Es geht in diesen Texten allerdings um mehr als nur den äußeren Vorgang des Reisens oder der Migration; sie lassen sich auch als verkappte Schilderungen eines inneren Vorgangs, einer psychischen Entwicklung lesen. Sie handeln nicht zuletzt auch vom Verlassen der Kindheit, von der Bewältigung der Adoleszenz und von der Erreichung bzw. der Verfehlung eines reifen Erwachsenenstatus. Wir haben es in gewissem Ausmaß stets auch mit psychologischen, mit Entwicklungsromanen zu tun. Der wie immer sentimental aufgeladene Rückblick auf die Heimat gilt im Grunde genommen der verlorenen Kindheit. Die Arbeit deckt einen Mechanismus der doppelten Bedeutung auf, der für viele andere Jugendromane charakteristisch ist, die auf den ersten Blick frei von aller (Entwicklungs-)Psychologie sind.
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3. Historische Grundlagen

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Es folgt eine Einführung in die den Werken zugrunde liegenden realhistorischen Fakten. Doch soll in dieser Arbeit keineswegs den einschlägigen Forschungen, historische Gegebenheiten betreffend (siehe Kapitel 4), nachgegangen und ein Bogen zur Literatur geschlagen werden. Einzelne ausgewählte historische Studien sollen daher lediglich Informationen zum Verständnis der analysierten jugendliterarischen Werke anbieten. Hinweise auf die mögliche Herkunft einer Stoffwahl sollen gegeben werden. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird keinesfalls erhoben, die nachfolgend angebotenen Aspekte dienen dem Einstieg und werden ggf. im Rahmen der Analysen und Bewertungen durch weitere Erläuterungen ergänzt werden müssen.

In der Brockhaus’schen Enzyklopädie ist zu den historischen Abläufen des 19. Jahrhunderts Folgendes vermerkt:

Europa wurde [im 19. Jahrhundert] zum Ausgangspunkt von Wanderungen in die noch unerschlossenen Gebiete Nord- und Südamerikas. […] Um 1820 begannen die großen Auswanderungswellen neuerer Zeit. Politische und wirtschaftliche Motive standen hierbei meist im Vordergrund. Dabei spielte auch ein erhebl. Bevölkerungswachstum infolge des demographischen Übergangs eine Rolle. 1821–1936 wanderten über 60 Mio. Menschen in fremde Länder, meist aus europ. Staaten nach Übersee, aus. Die USA nahmen in dieser Zeitspanne über 34 Mio. auf […]. (Brockhaus 1987, Bd. 2, 397 ff)

Dies als Einführung, die folgenden Ausführungen stützen sich weitgehend auf Werke von Marschalck (Marschalck 1973) und Moltmann (Moltmann 1989) sowie Bade (2000). Hatten bis Ende des 18. Jahrhunderts überwiegend politische und religiöse Verfolgung den Auswanderern als Anlass gedient, waren es im 19. Jahrhundert...

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