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Kirche nach Auschwitz zwischen Theologie und Vergangenheitspolitik

Die Auseinandersetzung der evangelischen Kirchen beider deutscher Staaten mit der Judenvernichtung im «Dritten Reich» im politisch-gesellschaftlichen Kontext

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Tetyana Pavlush

In ihrem Buch zeichnet Tetyana Pavlush den Wandel der Holocaust-Reflexion in den evangelischen Kirchen in der Bundesrepublik und in der DDR. Zentral sind Fragen nach dem Anteil der Kirchen am gesamtgesellschaftlichen Lernprozess hinsichtlich des Holocaust und nach der Auswirkung der offiziellen Vergangenheitspolitik auf die kirchliche Erinnerung. Durch vergleichende Analyse der öffentlichen Kontroversen und Gedenktage erfasst die Autorin die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den kirchlichen Diskussionen auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze im engen Zusammenhang mit den politisch-gesellschaftlichen Faktoren. Die Auswertung der Stellungnahmen der Amtskirchen sowie der Arbeitsergebnisse von Kirchentagen und evangelischer Presse ergibt ein differenziertes und dynamisches Bild der kirchlichen Erinnerungsarbeit zwischen dem Ende der NS-Zeit und der Wiedervereinigung.
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5. Fazit

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5.  Fazit

Insgesamt lassen sich aus der vollzogenen Analyse fünf übergeordnete Befunde hervorheben, die im Folgenden zusammenfassend skizziert werden.

5.1 Asymmetrie als narratives Paradigma

Die bereits in der Einleitung vorausgeschickte These von einer qualitativen und quantitativen Asymmetrie der Holocaust-Reflexion zugunsten der westdeutschen evangelischen Kirchen wurde im ersten Hauptteil der Arbeit herausgearbeitet und in den nachfolgenden Kapiteln bestätigt. Vor allem die Auswertung der offiziellen kirchlichen Verlautbarungen zum Thema Holocaust und die Analyse der Ergebnisse des christlich-jüdischen Gesprächs zeigten eine deutliche Disproportionalität, die in der Anzahl und in der theologischen Substanz der veröffentlichen Dokumente sowie in der Durchsetzung der erklärten Positionen in den verschiedenen kirchlichen Bereichen zum Ausdruck kam. Allerdings lassen sich die festgestellten Ost-West-Unterschiede erst für die Zeit seit den 1970er Jahren deutlich nachweisen.

Der Prozess der Erneuerung des theologischen Verhältnisses zum Judentum im Angesicht von Auschwitz kam in den westdeutschen evangelischen Kirchen in den 1960er Jahren langsam in Gang. Die Erkenntnis einer unlösbaren Verbindung des christlichen Glaubens mit dem Judentum und die Abkehr von der Substitutionslehre, die Anerkennung der bleibenden Erwählung Israels und die Bejahung des Staates Israel, ein Eingeständnis christlicher Schuld am jüdischen Volk und explizit am Holocaust sowie die Forderung nach einer Überwindung der antijudaistischen Auslegung des Neuen Testaments, die Absage an die Judenmission und schließlich die Erklärung des Holocaust zum Wendepunkt der christlichen Theologie – das waren die Ergebnisse dieses Lernprozesses, dessen Höhepunkt in...

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