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Imaginationen des Endes

Series:

Aneta Jachimowicz, Alina Kuzborska and Dirk H. Steinhoff

Das Ende als eine anthropologische Kategorie und Anschauungsform prägte schon immer die kulturellen Diskurse. Der Band versammelt Beiträge über die verschiedensten Imaginationen des Endes, begonnen mit den Untergangsvisionen der altorientalischen Welt und der Offenbarung des Johannes über die mittelalterlichen Apokalypsen und messianischen Konzepte bis hin zu den Untergangsvorstellungen der Moderne (etwa vom Ende der Geschichte) und den postapokalyptischen Narrationen. Das Ende wird nur selten als ein absolutes aufgefasst. Zumeist soll es zu einem Neuanfang führen, auch wenn sich dieser als Leere erweisen sollte.
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Theoretische Physik als Anregung für Apokalypsekonzepte an der Schwelle des Ersten Weltkriegs – am Beispiel von Erich Gutkind

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Die für die Literatur und Kunst vor dem Ersten Weltkrieg so bezeichnenden „Imaginationen des Endes“ – des Weltuntergangs und der anschließenden ­Regeneration – gingen, so scheint es, kaum von Entdeckungen und Theorien der exakten Naturwissenschaft aus. Als ihre Voraussetzung gilt vielmehr das Gefühl einer tiefgreifenden Menschheitskrise, die sich in sozialen, kulturellen und psychologischen Entfremdungsphänomenen manifestierte. Zur zeitgenössischen Diagnose dieser Krise gehört jedoch fast immer die Klage über den „Materialismus“ der alten, dem Untergang geweihten Epoche, und dieser transzendenzlose Materialismus – aber auch seine Überwindung – hat sehr wohl etwas mit den Fortschritten der Naturwissenschaften zu tun. Beispielhaft für solche Klage, die in Hoffnung umschlägt, ist der erste Teil („Allgemeines“) von Wassily Kandinskys berühmtem Buch Über das Geistige in der Kunst (fertiggestellt 1910). In der „Einleitung“ dazu heißt es:

Unsere Seele, die nach der langen materialistischen Periode erst im Anfang des Erwachens ist, birgt in sich Keime der Verzweiflung und des Nichtglaubens, des Ziel- und Zwecklosen. Der ganze Alpdruck der materialistischen Anschauungen, welche aus dem Leben des Weltalls ein böses zweckloses Spiel gemacht haben, ist noch nicht vorbei. […] Nach der Periode der materialistischen Versuchung […] kommt die Seele, durch Kampf und Leiden verfeinert, empor.1

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