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Imaginationen des Endes

Series:

Aneta Jachimowicz, Alina Kuzborska and Dirk H. Steinhoff

Das Ende als eine anthropologische Kategorie und Anschauungsform prägte schon immer die kulturellen Diskurse. Der Band versammelt Beiträge über die verschiedensten Imaginationen des Endes, begonnen mit den Untergangsvisionen der altorientalischen Welt und der Offenbarung des Johannes über die mittelalterlichen Apokalypsen und messianischen Konzepte bis hin zu den Untergangsvorstellungen der Moderne (etwa vom Ende der Geschichte) und den postapokalyptischen Narrationen. Das Ende wird nur selten als ein absolutes aufgefasst. Zumeist soll es zu einem Neuanfang führen, auch wenn sich dieser als Leere erweisen sollte.
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Jenseits vom ende: Zu Elfriede Jelineks Die Kinder der Toten

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Das sperrige und stets von ambivalenten Reaktionen begleitete Œuvre der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek bricht mit End-Vorstellungen im Sinne der körperlichen Begrenzung und der individuellen Sterblichkeit. Nach Jelinek ist das Ende mitten unter uns, denn unablässig kreist ihr Werk um den „Zivilisationsbruch Auschwitz“1, das Nachleben des deutsch-österreichischen Faschismus und verdrängte Schuld.

Die erinnerungsgeschichtliche Dimension stellte Jelinek von Beginn an – also seit den späten 1960er Jahren – in den Mittelpunkt ihres Schreibens. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass sich die junge Jelinek (Jahrgang 1946) inmitten der 1968er-Bewegung sozialisierte, die sich die Abgrenzung von der völkisch-nationalistischen Idiomatik der vorangegangenen Jahrzehnte auf die Banner geschrieben hatte. In Österreich wurde die 1968er-Bewegung vor allem von Künstlern getragen, denn im Politischen war die so genannte „Revolution“ nicht mehr als ein „Mailüfterl“.2 Jelinek wurde in ihrer Selbstvergewisserung als Autorin von der Sprachskepsis und den experimentellen Formen zeitgenössischer Schriftstellerkollektive wie der Wiener und der Grazer Gruppe sowie von der inszenierten Provokation österreichischer Aktionskünstler wie Hermann Nitsch, Otto Muehl oder Günter Brus stark beeinflusst.3

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