Show Less
Restricted access

Lesen und Lesedidaktik aus linguistischer Perspektive

Series:

Iris Rautenberg and Tilo Reißig

Der Sammelband thematisiert Lesen aus linguistischer Perspektive. Dabei werden die verschiedenen Ebenen der sprachlichen Strukturen einzeln in den Blick genommen. Die Rolle der Morphologie für den Leseprozess wird ebenso diskutiert wie die Funktion syntaktischer Markierungen. Weitere Beiträge geben Einblicke in die Prozessebene des Wortlesens oder thematisieren die Typographie und ihre Bedeutung für den Leseprozess. Das Buch stellt die Ergebnisse aktueller empirischer Forschung mit Lernern der Primar- und Sekundarstufe sowie mit literaten Erwachsenen vor. Alle Beiträge diskutieren die Untersuchungsergebnisse auf der Folie schriftlinguistischer Modellierungen. Dabei werden die didaktischen Implikationen sowie die Relevanz für den schulischen Unterricht stets im Blick behalten.
Show Summary Details
Restricted access

Die Syntax für das Lesen nutzbar machen

Extract



1.Einleitung

Eine Schriftspracherwerbsdidaktik, die auf Analysen aufbaut, denen zufolge die deutsche Orthographie leserorientiert und dabei als System fundiert ist (cf. z.B. Eisenberg 1996, 2004a, 2011; Maas 1992, 2000; Primus 2010), muss u.a. auch thematisieren, wie entsprechende Zusammenhänge im Leseerwerbsprozess vermittelt werden können. Orthographische Strukturen geben für das Verstehen relevante, systematische Hinweise über den prosodischen, morphologischen und syntaktischen Aufbau sprachlicher Sequenzen. Kompetente Leserinnen und Leser können diese Hinweise aufgreifen und in diesem Sinne orthographische Strukturen sinnvoll erfahren. Zu erwarten ist überdies, dass ein Leser, der weiß, wofür orthographische Strukturen da sind, diese auch leichter im Schreibprozess umsetzen kann. So erfährt denn auch die Herangehensweise, den Schriftspracherwerb vom Lesen aus zu konzipieren, in der jüngeren Orthographiedidaktik immer mehr Aufmerksamkeit (cf. u.a. Bredel/Fuhrhop/Noack 2011). Nicht nur, weil die Diskussion um die Lesekompetenz seit PISA immer mehr in den Mittelpunkt gerückt ist, sondern auch, weil wir ungleich mehr lesen als schreiben, scheint diese Sichtweise sinnvoll zu sein.

Grundsätzlich setzt sich Lesekompetenz aus sogenannten hierarchieniedrigen und hierarchiehöheren Prozesskomponenten zusammen (cf. Richter/Christmann 2002), wobei die hierarchieniedrigen Bereiche als basale Lesetätigkeiten bei kompetenten Leserinnen und Lesern automatisiert sind und „in der Regel nicht mehr der bewussten Kontrolle unterliegen“ (Scheerer-Neumann 2003: 513). Zu Beginn des Leseerwerbsprozesses müssen sie aber als Grundstein erlernt bzw. vermittelt werden, damit hierarchiehöhere, das Textverstehen betreffende Prozesse ohne Probleme gemeistert werden können. Für den Bereich der basalen Lesetätigkeiten ist das Wortlesen bislang...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.