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Lesen und Lesedidaktik aus linguistischer Perspektive

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Edited By Iris Rautenberg and Tilo Reißig

Der Sammelband thematisiert Lesen aus linguistischer Perspektive. Dabei werden die verschiedenen Ebenen der sprachlichen Strukturen einzeln in den Blick genommen. Die Rolle der Morphologie für den Leseprozess wird ebenso diskutiert wie die Funktion syntaktischer Markierungen. Weitere Beiträge geben Einblicke in die Prozessebene des Wortlesens oder thematisieren die Typographie und ihre Bedeutung für den Leseprozess. Das Buch stellt die Ergebnisse aktueller empirischer Forschung mit Lernern der Primar- und Sekundarstufe sowie mit literaten Erwachsenen vor. Alle Beiträge diskutieren die Untersuchungsergebnisse auf der Folie schriftlinguistischer Modellierungen. Dabei werden die didaktischen Implikationen sowie die Relevanz für den schulischen Unterricht stets im Blick behalten.
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Das Lesen typographischer Dispositive

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1.Einleitung

Lesen als Re- und Dekodierung eines graphischen Zeichensystems unterliegt auf der basalen Ebene den Gesetzen der visuellen Wahrnehmung. Die graphische Gestaltung von Schrift, die weitestgehend als Typographie bezeichnet wird, kann entscheidende Funktionen übernehmen – sie steuert auf mehreren Ebenen den Leseprozess. So können graphische Markierungen z.B. dem Leser anzeigen, dass eine metasprachliche Verwendung eines Begriffes vorliegt und sich damit der jeweilige Begriff syntaktisch abweichend von objektsprachlichen Begriffen verhalten kann; die graphische Anordnung der sprachlichen Elemente signalisiert dem Leser, welche Einheiten er als zusammengehörig zu fassen hat (graphische Wortformen, Absätze, Kopfzeilen etc.). Über die Anordnung der graphischen Elemente entstehen optische Gestalten, die als typographische Dispositive bezeichnet werden (cf. Kap. 3). Wehde (2000) beschreibt typographische Dispositive als „makrotypographische Kompositionsschemata, die als syntagmatische gestalthafte >Superzeichen< jeweils Textsorten konnotieren“ (Wehde 2000: 119). Da Textsorten wiederum gemeinsame stilistische und sprachliche Merkmale aufweisen, ist davon auszugehen, dass eine leserseitige Zuordnung eines typographischen Dispositivs zu einer Textsorte auch eine leserseitige Erwartungshaltung in Bezug auf stilistische und syntaktische Merkmale impliziert. Der Gestaltung des typographischen Dispositivs könnte demnach eine entscheidende Bedeutung im Leseprozess zukommen: So könnte ein Bruch zwischen der leserseitigen Erwartungshaltung und tatsächlicher stilistischer und syntaktischer Realisierung den Leseprozess negativ beeinflussen. Andererseits könnte eine Deckungsgleichheit zwischen Erwartung und tatsächlicher Realisierung einen positiven Effekt haben. Bevor jedoch die Verbindung zwischen typographischen Dispositiven und stilistischen und syntaktischen Realsierungen in Bezug auf die Leseleistung untersucht werden kann, soll im Rahmen dieser Untersuchung mithilfe eines experimentellen Designs zun...

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