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Handschrift und Körpernotation

Schriftliche und mündliche Überlieferungen von Kirchenmusik in Kamerun

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Nepomuk Riva

Wie verändert sich afrikanische Kirchenmusik, wenn sie aufgeschrieben wird? Wie gelingt es Dorfchören, Lieder mündlich zu überliefern? Im Mittelpunkt dieses Buches steht das Werk des Kameruner Dorfpfarrers Elias E. Ngole (1913-2005). Ausgehend von der britischen Tonic Sol-fa Solmisationsschrift hat er eine Notation für seine Lieder entwickelt. Der Autor rekonstruiert das System dieser Notenschrift und analysiert die Techniken der mündlichen Übermittlung, die vor allem durch eine spezialisierte Gestik gesichert wird. Das Buch ist eine musikethnologische Studie über eine Musikpraxis im Bakossi-Gebiet, die neben Klang und Sprache die Körperbewegungen mit einbezieht. Zugleich bietet sie viele Vergleichspunkte zu Fragen der Entstehung von Musiknotationen überhaupt.
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Einleitung

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Im Wintersemester 1997/98 hörte ich an Humboldt-Universität zu Berlin bei Prof. Dr. Dr. Balz die Vorlesung ‚Einführung in die Afrikanischen Religionen‘. Bei einer Kaffeerunde im Anschluss daran kam das Gespräch eines Tages darauf, dass ich neben evangelischer Theologie auch Musikwissenschaften studiere. Daraufhin erzählte mir Balz, dass er von 1973–1983 in West-Kamerun am Theologischen Seminar der Presbyterianischen Kirche gearbeitet hätte. Von dort habe er ein Notenheft eines Dorfpfarrers namens Elias Ebong Ngole mitgebracht, der als einer der ersten in der einheimischen Sprache Kirchenlieder komponiert hätte. Ob ich das nicht der Wissenschaft zuführen wolle? Wenige Wochen später erhielt ich das Schulheft mit über 50 Bakossi Songs and Chorusses, die handschriftlich in einer Buchstabennotation auf Grundlage von Solmisationssilben notiert waren. Erste Nachforschungen ergaben, dass es sich um eine Variante der britischen Tonic Sol-fa Notation von John Curwen handeln musste. Die Tonhöhen ließen sich lesen, auch wenn der harmonische Zusammenklang an vielen Stellen Fragen aufwarf. Die rhythmische Notierung war nicht zu entschlüsseln und folgte keiner europäischen Weiterentwicklung dieses Notensystems, wie etwa der Tonika-Do Methode von Agnes Hundoegger. Am Ende einiger Lieder fanden sich repetitive Chormelodien, separate Bass- und Solostimmen, deren genaue Vortragsweise nicht zu erkennen war. Die Notationen waren somit außerhalb ihres kulturellen Kontextes nicht lesbar.

Dr. Armin Zimmermann, ein ehemaliger Doktorand von Balz, unterrichtete zu dieser Zeit in Kamerun am Theologischen Seminar der Presbyterianischen Kirche in Kumba. Zum Jahreswechsel 2003/04 konnte ich ihn f...

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