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Die Inszenierung der Nation

Das Kaiserreich Brasilien im Zeitalter der Weltausstellungen

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Sven Schuster

Das Buch erforscht die Beteiligung Brasiliens an den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts, mit denen das tropische Kaiserreich potenzielle Einwanderer und Investoren ködern wollte. Die Inszenierung einer modernen Nation im Ausland hatte nur wenig mit der von wirtschaftlicher Rückständigkeit und Sklaverei geprägten Realität gemein. So konnten die idealisierten Exponate in den Ausstellungspavillons die Spannungen im Inneren des Kaiserreichs nur bedingt verdecken. Auf den Weltausstellungen wird somit in kondensierter Form sichtbar, welche Widersprüche sich im Nationsbildungsprozess auftaten, welche globalen Einflüsse dabei eine Rolle spielten und wie bis heute nachwirkende kollektive Selbst- und Fremdbilder entstanden.
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Einleitung

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Die Menschheit war in ›Rassen‹ geschieden, eine Vorstellung, welche die Ideologie der Zeit fast ebenso tief durchdrang wie die Idee des ›Fortschritts‹; sie teilte sich in diejenigen, deren Platz bei den großen internationalen Fortschrittsfeiern, den Weltausstellungen, auf den Tribünen der technischen Triumphe war, und in die anderen, die dort ihren Platz in den ›Kolonialpavillons‹ oder ›Eingeborenendörfern‹ hatten, die das Bild der Ausstellungen inzwischen vervollständigten. Sogar in den ›entwickelten‹ Ländern selbst war die Menschheit zunehmend gespalten in den tatkräftigen und begabten Stamm der Mittelklassen und in die trägen Massen, deren genetische Mängel sie zur Unterlegenheit verdammten.1 (Eric Hobsbawm)

Bis heute bestimmt ein zentraler Topos das nationale Selbstverständnis der Brasilianer: die Idee einer harmonischen und multiethnischen Gesellschaft.2 Demnach sieht sich ein Großteil der brasilianischen Bevölkerung einem toleranten und gemischtrassigen Volk zugehörig, dem es im Laufe seiner von Kolonisierung, afrikanischer Sklaverei, europäischer und asiatischer Einwanderung geprägten Geschichte gelungen ist, die unterschiedlichsten Ethnien in vorbildlicher Weise zu integrieren. Wenngleich das Land noch immer von extremer sozioökonomischer Ungleichheit geprägt ist, hat dies in der Sicht vieler Brasilianer nichts mit Rassismus zu tun.3

Daneben ist die Vorstellung weitverbreitet, dass das tropische Land mit seinen unfassbar reichen, ja geradezu unerschöpflichen natürlichen Ressourcen, vorherbestimmt ist, zu einem der mächtigsten Staaten der Erde aufzusteigen. Es sei damit zu rechnen, dass der brasilianischen Nation im 21. Jahrhundert endlich der lang ersehnte wirtschaftliche Aufstieg gelinge. Bereits...

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