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Ulrich Holbein

Sein Werk zwischen Avantgarde und Archivierung

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Nikolas Buck

Das Buch befasst sich mit Ulrich Holbeins äußerst facettenreichem Werk, das neben genuin literarischen Texten auch Essays, zahlreiche Feuilletonbeiträge und Hörspiele beinhaltet. Kennzeichnend für das Œuvre ist die Anwendung avantgardistischer Verfahren bei gleichzeitiger kontinuierlicher Auseinandersetzung mit der literarischen und philosophischen Tradition. Der Band schließt an die allmählich einsetzende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Werk des Autors an. Er versammelt sowohl Einzelanalysen seiner bedeutendsten Texte als auch Beiträge zu übergreifenden Fragestellungen wie etwa der ihm eigenen Form der Autorinszenierung oder seiner Publikationspraxis. Ein Verzeichnis sämtlicher Publikationen sowie eine literarische Collage von Selbstzeugnissen des Autors runden das Buch ab.
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Das Doppelporträt. Zur Funktionsweise einer Holbein’schen Gattung

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In Ulrich Holbein’s essayistic works, comparisons, mostly in the form of double portraits, play a central role. Holbein’s double portraits, however, take a special shape, thus contrasting the traditional implementation of the genre in biography and visual arts: in many texts, the obvious difference between the two objects is resolved into an analogy that moves towards the universal, whereas other double portraits build up a complementary relation between the objects.

Was haben Johann Wolfgang von Goethe und Saddam Hussein, Odol und LSD gemeinsam? Was verbindet Buddha mit Dornröschen, den Kirchenlehrer Thomas von Aquin mit Hanns Bächtold-Stäubli, einem volkskundlichen Forscher aus dem 19. Jahrhundert? Auf den ersten (voreingenommenen) Blick: wenig – zumindest nicht so viel, als dass man darüber Essays oder Monographien schreiben könnte. Dass der Autor Ulrich Holbein genau dies in seinen Texten, insbesondere in seinen Doppelporträts, immer wieder tut, wirft unweigerlich die Frage auf, ob und wie derartige Vergleiche funktionieren können.

„Ich vergleiche, also bin ich“,1 heißt es zu Beginn von Usama und ich, einem zentralen Text seiner grotesk-komischen Essaysammlung Ungleiche Zwillinge. Diese Verballhornung des Descarte’schen Ausspruchs cogito ergo sum wird im fortlaufenden Text auf zwei miteinander verschränkte Weisen expliziert. Einerseits wird der Zwang zu vergleichen, – analog zur Funktion des erkenntnistheoretischen Axioms bei Descartes – als anthropologische Konstante präsentiert. So erfährt der menschliche Denkvorgang des Vergleichens letztlich eine Aufwertung von einer bestimmten zu der bestimmenden Form des Denkens: „Ich...

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