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Die Ursulinenschule in Koblenz 1902–1950

Mädchen- und Frauenbildung in schwierigen Zeiten

Rudolf Feld

Die Arbeit untersucht Voraussetzungen, Ziele und Ausprägungen der Mädchen- und Frauenbildung an einer katholischen Ordensschule und widmet sich dem Bedingungsgeflecht innerhalb von Kirche, Staat und Gesellschaft in durchgehend – wenn auch unterschiedlich ausgeprägten – schwierigen Zeiten. Im Kern steht die Beschäftigung mit dem schulischen Geschehen. Der Verfasser geht der Frage nach, was die Schülerinnen lernten, welchen Erziehungsprinzipien sie begegneten und welchen außerschulischen Bedingungen sie unterworfen waren. Die an der Schule erworbenen intellektuellen und sozialen Kompetenzen bildeten die Grundlagen einer differenzierten Mädchen- und Frauenbildung, die Tradition und Fortschritt gleichermaßen umfasste und Wege in die Selbständigkeit eröffnete. Die Arbeit fußt vornehmlich auf ungedruckten Quellen aus privaten und öffentlichen Archiven. Sie stützt sich auf eine in die Breite und Tiefe gehende Literatur.
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4.3 Das Schulleben über den Unterricht hinaus

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In diesem Kapitel soll von den außerunterrichtlichen und außerschulischen Aktivitäten in der nationalsozialistischen Zeit die Rede sein. Durch sie wurde der Kern schulischen Arbeitens, der Unterricht, ergänzt, bereichert – neuerdings aber auch gezwungenermaßen behindert. Hierüber geben die Jahresberichte der Direktorin, die Schulchronik und die Hauschronik Auskunft603. Die Jahresberichte legten vor allem Rechenschaft gegenüber der vorgesetzten Dienstbehörde ab. Zugleich bedeuteten sie auch eine Art von Selbstvergewisserung der Schule. Der Wert der Berichte ist relativ hoch, was die Information über das Schulleben angeht. Sie ermöglichen ein hinlängliches aber kein erschöpfendes Bild vom Schulleben, da alles, was der Schule schaden könnte, unerwähnt bleibt. So wird auch keine Kritik an den allgemeinen schulischen Umwälzungen und der existenziellen Bedrohung der Schule durch den Staat geäußert604. Versteckte Kritik ist eher in der Schulchronik und in der Hauschronik zu finden605.

Der Tag der Machtergreifung am 30. Januar 1933 wird mit keinem Wort erwähnt. Zur Reichtagseröffnung am 21. März fand allerdings in der Schule eine Feier statt, in der die Direktorin eine Rede an alle über die Bedeutung des „Tages der nationaler Erhebung“ hielt. „Der Festakt endete mit dem Lied ‚Deutschland, Deutschland über alles‘.“ Das neue Schuljahr begann am 2. Mai mit einem feierlichen Gottesdienst. Es folgte eine Rede der Direktorin, aus Anlass des Geburtstages des „Herrn Reichskanzlers“ über dessen Lebenslauf und die „Bestrebungen des Volkskanzlers“.

Das ganze Schuljahr 1933/34 war durchzogen von nationalen...

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