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Die Ursulinenschule in Koblenz 1902–1950

Mädchen- und Frauenbildung in schwierigen Zeiten

Rudolf Feld

Die Arbeit untersucht Voraussetzungen, Ziele und Ausprägungen der Mädchen- und Frauenbildung an einer katholischen Ordensschule und widmet sich dem Bedingungsgeflecht innerhalb von Kirche, Staat und Gesellschaft in durchgehend – wenn auch unterschiedlich ausgeprägten – schwierigen Zeiten. Im Kern steht die Beschäftigung mit dem schulischen Geschehen. Der Verfasser geht der Frage nach, was die Schülerinnen lernten, welchen Erziehungsprinzipien sie begegneten und welchen außerschulischen Bedingungen sie unterworfen waren. Die an der Schule erworbenen intellektuellen und sozialen Kompetenzen bildeten die Grundlagen einer differenzierten Mädchen- und Frauenbildung, die Tradition und Fortschritt gleichermaßen umfasste und Wege in die Selbständigkeit eröffnete. Die Arbeit fußt vornehmlich auf ungedruckten Quellen aus privaten und öffentlichen Archiven. Sie stützt sich auf eine in die Breite und Tiefe gehende Literatur.
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1. Frühe Mädchenschulen in Koblenz

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1.1 In der vorpreußischen Zeit (bis 1815)

Seit der Mitte des 17. Jh. sind für Koblenz Mädchenschulen in ununterbrochener Folge nachzuweisen. Am 11. Dezember 1663 schrieb der Rat der Stadt an den Trierer Kurfürsten Carl Caspar von der Leyen (1618–1676), dass die weibliche Jugend „aus Mangel ehrbarlicher Underweisung und dazu qualifizierter Personen … zur Lehr, Andacht und Gottesfurcht, auch anderer nöthiger Handarbeit und christlicher Sitte nit angeführt werden“ könne, weshalb manche Familie ihre Töchter unter erheblichen Kosten „in andere Land und Städten“ schicken müsse. So bat der Rat den Erzbischof, „der Bürgerschaft und den Eltern zum Trost und deren Kindern zum Besten einige … gottverlobte Jungfrauen von anderwärts herkommen zu lassen.“ Diese sollten unter der „Direktion der hh PP Societas Jesu allhier“ stehen. Als Anreiz bot der Stadtrat die Befreiung von allen gewöhnlichen und außergewöhnlichen bürgerlichen Lasten und Pflichten und versprach zudem, dass ohne Wissen und Zustimmung der neuen Schullehrerinnen „keine andere dergleichen Mägdlein Schul und Underweisung allhier“ geduldet und gestattet werden sollte2. Am 14. Januar 1664 erlaubte der Kurfürst, „dass zu besserer underweisung der unschuldigen Jugendt, sonderlich weiblichen Geschlechts in unserer Statt Coblentz einige gotverlobte Jungfrauen, welche allda schul halten sollten, anderwertig dorthin einberufen werden“ sollen und bestätigte die vom Rat ausgesprochenen Privilegien für die „mehrgenannten geistlichen Jungfern“. Zugleich befahl der kurfürstliche Amtmann dem Schultheiß, Rat und Bürgermeister der neuen Schule „alle nötige...

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