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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Abschied von Österreich – zur Lyrik der Westukraine im Ersten Weltkrieg

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Der Erste Weltkrieg ist für beide Teile des heutigen ukrainischen Staates von gleich großer Bedeutung – mit dem Untergang des Zarenreichs infolge dieses Kriegs kam es zur Bildung der ersten Ukrainischen Nationalen Republik (UNR) in Kiev, der Untergang des Habsburgerreiches ermöglichte die Proklamation der Westukrainischen Nationalen Republik (ZUNR), wenngleich diese nicht von langer Dauer war und bald im polnischen Staat der Zwischenkriegszeit aufging (ein Jahr später wurde die inzwischen von Bolschewisten dominierte Kiever Ukraine als Sowjetrepublik der UdSSR einverleibt). Zwischen 1914 und 1922 aber schien es für beide Teile der Ukraine ganz andere Zukunftsperspektiven zu geben; in Österreich-Ungarn verbanden die galizischen Ruthenen mit der Hoffnung auf einen Sieg der Mittelmächte auch die Hoffnung auf ein eigenes, ruthenisches Kronland Galizien1, im zaristischen Russland hoffte man nach der Unabhängigkeitserklärung vom April 1917 auf eine völlige Souveränität der Ukraine.

Die Stimmung unter den österreichischen Ruthenen im Ersten Weltkrieg lässt sich sehr gut an der Literatur aus dieser Zeit nachzeichnen, hinsichtlich der Lage der „Kleinrussen“ im Zarenreich ist das nicht so leicht möglich. Voraussetzung für eine ruthenische Kriegsliteratur war die Möglichkeit, überhaupt Texte in ukrainischer Sprache drucken zu dürfen, was in Russland nach dem Emser Edikt für lange Jahre lang unmöglich war. Umso fleißiger war die ukrainische Presse in Lemberg und Wien2, aber auch in galizischen Provinzstädten wie Stanislau und Kolomea.

Im Ersten Weltkrieg standen sich wie bekannt Ukrainer...

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