Show Less
Restricted access

Literarische Schreibratgeber

Eine typologisierend-vergleichende Untersuchung

Series:

Thomas Klupp

Literarische Schreibratgeber haben in Deutschland Hochkonjunktur. Seit den 1990er Jahren kommen alljährlich Dutzende neuer Titel auf den Markt, die ganz unterschiedliche poetologische Programme vertreten und teils von so bekannten Schriftstellern wie Hanns-Josef Ortheil, Ursula Krechel oder Elizabeth George verfasst wurden. In diesem Buch sichtet und ordnet der Autor erstmals die komplette Ratgeberproduktion in deutscher Sprache und entwickelt drei genretypische Modelle zur Förderung des literarischen Schreibens: das ergebnis-, das prozess- und das persönlichkeitsorientierte Modell. Indem die Ratgeber als populäre Erscheinungsformen der Kulturtechnik des Creative Writing vorstellt werden, werden zugleich die Strukturen einer umfassenden Professionalisierung der Schreibdidaktik im Deutschland der vergangenen Jahrzehnte sichtbar.
Show Summary Details
Restricted access

Zur Einführung: Literarische Schreibratgeber – ein verrufenes Genre

Extract

Literarische Schreibratgeber haben in Deutschland einen schlechten Ruf. Besonders bei denjenigen, die etwas vom Schreiben verstehen. So eröffnen die Direktoren des Leipziger Literaturinstituts Josef Haslinger und Hans-Ulrich Treichel ihren 2005 erschienenen Essayband Wie werde ich ein verdammt guter Schriftsteller? mit einer Polemik gegen zeitgenössische Ratgebertexte. Auf die Feststellung, dass es für diejenigen, die das Schreiben erlernen möchten, keine „wirklich brauchbare[n] Rezepte“1 gibt, schließen sie die durchweg rhetorische Frage an, wie wohl ein Satz beschaffen sein müsse, der dem Leser auch Lust auf den nächsten mache. Ihre Antwort:

Wir wissen es nicht. Niemand weiß es. Und schon gar nicht diejenigen, die von sich behaupten, sie wüssten Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, um James N. Freys Schreibratgeber zu zitieren, auf den sich auch der Titel der vorliegenden Essay- und Aufsatzsammlung nicht ohne ironische Absicht bezieht.2

Eine ähnliche Position vertritt Stephan Porombka, der bis 2013 zusammen mit Hanns-Josef Ortheil das ‚Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaften‘ an der Universität Hildesheim geleitet hat. In seinem Vorwort zur EssaysammlungErst Lesen. Dann schreiben. 22 Autoren und ihre Lehrmeister von 2007 vermerkt er mit Blick auf die eigene Publikation:

Damit grenzen sich diese Essays von Büchern zum Kreativen Schreiben ab, die eine für alle Texte passende Regelpoetik propagieren und jene Werke für literarisch ‚gelungen‘ halten, die den Marktvorgaben möglichst exakt folgen. Wir verzichten auf solche DIN-Normen fürs Schreiben und gehen davon aus,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.