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Literarische Schreibratgeber

Eine typologisierend-vergleichende Untersuchung

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Thomas Klupp

Literarische Schreibratgeber haben in Deutschland Hochkonjunktur. Seit den 1990er Jahren kommen alljährlich Dutzende neuer Titel auf den Markt, die ganz unterschiedliche poetologische Programme vertreten und teils von so bekannten Schriftstellern wie Hanns-Josef Ortheil, Ursula Krechel oder Elizabeth George verfasst wurden. In diesem Buch sichtet und ordnet der Autor erstmals die komplette Ratgeberproduktion in deutscher Sprache und entwickelt drei genretypische Modelle zur Förderung des literarischen Schreibens: das ergebnis-, das prozess- und das persönlichkeitsorientierte Modell. Indem die Ratgeber als populäre Erscheinungsformen der Kulturtechnik des Creative Writing vorstellt werden, werden zugleich die Strukturen einer umfassenden Professionalisierung der Schreibdidaktik im Deutschland der vergangenen Jahrzehnte sichtbar.
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I. Grundzüge der Entwicklung einer breitenwirksamen Schreibdidaktik im Deutschland der 1970-1990er Jahre

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Zum Beleg und zur Verdeutlichung des behaupteten Ratgeberbooms an dieser Stelle ein paar Zahlen: In den Jahren zwischen 1945 und 1985 kommen in Deutschland weniger als zehn literarische Schreibratgeber auf den Markt. In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren erscheinen insgesamt rund zwei Dutzend Ratgeberbücher. Seit den späten 1990er Jahren werden jedes Jahr durchschnittlich 15 Schreibratgeber veröffentlicht. 1996 gründet sich der auf Schreibratgeber spezialisierte Autorenhaus Verlag, 1998 erscheint James N. Freys Wie man einen verdammt guten Roman schreibt 2 und wirbt auf dem Buchrücken mit über 30000 verkauften Exemplaren der ersten Bandes.31 Wurde die Ratgeberproduktion in Deutschland in den 1990er Jahren noch von Übersetzungen aus dem angloamerikanischen Raum dominiert, so erscheinen seit den 2000er Jahren eine vergleichbare Menge an originalsprachig auf Deutsch verfassten Publikationen. Darunter sind Schreibratgeber von so renommierten Autoren wie der Deutschen-Buchpreis-Gewinnerin Ursula Krechel, dem Thomas-Mann-Preisträger Hanns-Josef Ortheil oder dem Bachmann-Preisträger Kurt Drawert.32 Heutzutage gibt es auf dem ausdifferenzierten, weit über 200 Titel umfassenden Schreibratgeber-Markt Bücher

für Krimis genauso wie für erotische Literatur, für Dramen und für Drehbücher, für Kurzgeschichten und natürlich für verdammt gute Romane. Es gibt Bücher für ← 19 | 20 → das Schreiben von Tag zu Tag, von Wort zu Wort, das schnelle und das langsame Schreiben, das Schreiben im Café33

und nicht zuletzt auch gleichermaßen ironisch gebrochene wie selbstreflexive Titel wie zum Beispiel Wie man den Bachmannpreis gewinnt oder...

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