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Das Gen und seine Geschichte

Naturwissenschaftliche und philosophische Hintergründe der modernen Genetik- Lebewesen im Spiegel der Wissenschaftshistorie

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Kurt Otto Plischke

Gene steuern Pflanze, Tier und Mensch. Das Gen ist das Atom der Biologie. Wie kam es zu diesem Modell, das 1953 mit dem Nobelpreis gekrönt wurde? Welche Einwände gibt es gegen das Modell? Dieses Buch verfolgt erstmalig in den Originaltexten der beteiligten Forscher die Ursprünge der Vorstellung aus der Entstehung der Biologie im Jahr 1800 über die Gründung der Genetik 1906 bis in die Gegenwart. Die Auffassung von der Lebendigkeit des Lebenden wandelte sich entsprechend dem Selbstverständnis der Wissenschaft. Eine physiologische Biologie ersetzte die Naturphilosophie. Leben, Organismen und Gene werden definiert in den Gesetzen von Chemie und Physik. Das Gen und seine Geschichte beleuchtet die Folgen für unser Bild von Mensch und Natur.
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XI. Die Frage der Erzeugung in Genetik und Technologie

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XI. Die Frage der Erzeugung in Genetik und Technologie

Um eine gentechnische Vorstellungswelt, die Voraussetzung gentechnologischen Produzierens, begreifen zu können, ist Genetik in ihren Zusammenhängen zu betrachten. In der natürlichen Genesis gegenüber dem künstlichen genetischen Eingreifen spielt der Begriff von Zeugung die Rolle, die in der Technologie einer Erzeugung entspricht. Die biologisch definierende Betrachtungsweise von Fortpflanzung und ihrer Genetik entwickelt in Abhängigkeit von den ihrer Wissenschaft zugrundeliegenden Oberbegriffen und Prämissen das begriffliche Inventar, das zum gentechnologischen Eingriff befähigt – eine Weise menschlicher Freiheit.

Gentechnologie als Praxis leitet sich wie Genetik als Wissenschaft vom Begriff Gen her. Er soll eine gestaltbildende Kraft beschreiben, die sich einerseits über endlos währende Generationen artbildend gleiche, zugleich aber im Prinzip ohne Einfluss von Herkunft und Ziel in einem Mutationszeitpunkt zur Zeit der Vereinigung mütterlicher und väterlicher Kraft radikal mutabel sei. Je nach ihrem Verhältnis zwischen Dominanz und Rezessivität könnten diese Gene generationenlang verborgen bleiben, ohne kodierte Merkmale sichtbar werden zu lassen. Je nach ihrer Expressivität, der Ausdruckskraft, ein Merkmal tatsächlich in Erscheinung treten zu lassen, seien es diese Gene, die früh oder spät im Verlaufe eines Lebens Merkmale oder Krankheiten hervorrufen. Die wirksame Eigenkraft in der Entwicklung eines Lebewesens, eine Art von Spontaneität, wird in der Biologie in materiell gedachten Einheiten gesehen, die auf der einen Seite die fortwährende Dauer der Artmerkmale, auf der anderen Seite zugleich jedoch deren grundsätzliche Mutierbarkeit...

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