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Der Mensch und seine Welt

Die philosophische Anthropologie in der Systematischen Theologie Paul Tillichs

Josef Torggler

Das Buch beschäftigt sich mit der philosophischen Anthropologie in der Systematischen Theologie Paul Tillichs, nach der der Mensch wie alles Seiende in sich eine essenzielle polare Struktur trägt und den Bedingungen der Endlichkeit untersteht. Auf der einen Seite vereint der Mensch in sich alle Dimensionen des Lebens (die anorganische, organische, psychische, geistige und geschichtliche Dimension) und kann durch seinen Geist mit allem, was ist, in Beziehung treten. Bewusstsein und Freiheit zeichnen ihn aus. Andererseits ist sein Dasein durch die polaren Gegensätze und den Zustand der Endlichkeit bestimmt und auch gefährdet. Es bedarf daher steter Bemühung um Ausgewogenheit der Polaritäten und um Besinnung auf das allem Relativen zugrunde liegende Absolute, in welchem das Seiende gründet.
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II. Die Lehre vom Menschen

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Wie die vorausgehenden Skizzierungen seiner Ontologie erkennen ließen, liegt für Tillich der Zugang zur Antwort auf die Frage nach dem Sein im Menschen selbst.107 Die Struktur des Seins eröffnet sich dem Menschen nur im Menschen selbst, denn: „Jedes Seiende partizipiert an der Seinsstruktur, aber nur der Mensch wird dieser Struktur unmittelbar gewahr.“108 Deshalb kann Tillich auch sagen: „Der Mensch nimmt in der Ontologie eine überragende Stellung ein, nicht als ein wichtiger Gegenstand neben anderen Gegenständen, sondern als dasjenige Seiende, das die ontologische Frage stellt, und in dessen Selbstgewahrwerden die ontologische Antwort gefunden werden kann.“109

Diese Aussage Tillichs besagt nicht nur, dass Ontologie vom Selbstvollzug des Menschen ausgehen muss, sondern auch, dass Ontologie und Anthropologie in einem ursprünglichen Sinne zusammenhängen. Nur in dem sich selbst bewussten Menschen eröffnet sich der Zugang zur Ontologie, während sich umgekehrt der Mensch dabei zugleich nur als Seiendes unter Seienden im Rahmen ontologischer Aussagen zu verstehen vermag. Anthropologie muss in diesem Zusammenhang als spezieller, vertiefender Teil der Ontologie angesehen werden. In der Anthropologie wird über die Frage nach der allgemeinen Struktur des Seienden hinaus nochmal zurückgefragt nach dem spezifischen Wesen des Menschen, sofern er sich von anderem Seienden unterscheidet. Es muss dabei gefragt werden, wie der Mensch in seinem spezifischen Wesen sich im Horizont des Seins vollzieht.

Die ontologische Analyse zeigt, dass jedes Seiende in seinem Sein grundlegend bedingt ist durch die Grundstruktur Selbst-Welt. Die Anthropologie ← 41 | 42 → wird...

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