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Schreiben über Afrika: Koloniale Konstruktionen

Eine kritische Untersuchung ausgewählter zeitgenössischer Afrikaliteratur

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Roland Schmiedel

Seit den 1990er Jahren ist das Interesse am deutschsprachigen Afrika-Roman stetig gewachsen. Die germanistische literaturwissenschaftliche Forschung setzt sich daher zunehmend intensiv mit diesem Subgenre auseinander und reflektiert dabei den postkolonialen Diskurs. Die Studie zeigt – ohne sich dabei auf einen geographischen Raum zu beschränken – mittels einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Roman Herz der Finsternis von Joseph Conrad, wie die Autoren Lukas Bärfuss, Hans Christoph Buch, Andrea Paluch, Robert Habeck und Ilija Trojanow in ihren Romanen postkoloniale Potentiale und Perspektiven ausprägen und dabei eigene kulturelle Denkmuster, Stereotype und Dichotomien reproduzieren, vorführen oder modifizieren.
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Einleitung

← 10 | 11 →Einleitung

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Die vorliegende Studie versteht sich als Teil der Auseinandersetzung mit postkolonialen Potentialen und postkolonialen Perspektiven in der Gegenwartsliteratur deutschsprachiger Afrika-Romane. Generell ist jedoch zu unterscheiden zwischen dem Theoriekonzept der angloamerikanischen Postcolonial Studies und den literarischen Texten, die aufgrund ihrer Entstehungszeit, der thematischen Ausrichtung oder ästhetischen Erzählstrategie als postkolonial gelten.1 Dies sind literarische Texte, die zwar mit dem Begriff postkolonial in Verbindung stehen, jedoch der postkolonialen Literatur nicht angehören. Auf die unterschiedlichen Dimensionen des Begriffs postkolonial ist daher in der Folge zunächst ausführlich einzugehen, um den theoretischen Textkorpus für die anstehende Untersuchung nutzbar zu machen.2 Der Zusammenhang der untersuchten Romane liegt nicht auf einem bestimmten geographischen Gebiet, wie bei anderen Studien zur postkolonialen Auseinandersetzung3 mit Afrika-Literatur der letzten Jahre, sondern auf ästhetischen Strategien und der Verwendung von später näher zu bestimmenden Mustern kolonialer Konstruktion.

Afrika-Literatur hat Konjunktur beim deutschen Lesepublikum, wie Zimmerer (2002)4 und Göttsche (2004)5 gezeigt haben, und das literarische Interesse ← 11 | 12 →deutscher Autoren an Afrika scheint auch über 10 Jahre nach Zimmerers Feststellung noch kein Ende gefunden zu haben. Zwei Regionen Afrikas stehen thematisch vor allem im Mittelpunkt des Interesses der deutschsprachigen Autoren. Dies sind Deutsch-Südwestafrika bzw. Namibia, mit Schwerpunktthemen zum deutschen Kolonialismus und zum Völkermord an den Herero und Nama, dem sich auch Uwe Timm mit seinem vieldiskutierten kolonialkritischen Roman Morenga6 bereits 1978 angenommen hatte, und Ostafrika, das im Zentrum des vor allem historischen Erzählens im deutschen Afrika-Roman der Gegenwart steht. Einen...

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