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Schreiben über Afrika: Koloniale Konstruktionen

Eine kritische Untersuchung ausgewählter zeitgenössischer Afrikaliteratur

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Roland Schmiedel

Seit den 1990er Jahren ist das Interesse am deutschsprachigen Afrika-Roman stetig gewachsen. Die germanistische literaturwissenschaftliche Forschung setzt sich daher zunehmend intensiv mit diesem Subgenre auseinander und reflektiert dabei den postkolonialen Diskurs. Die Studie zeigt – ohne sich dabei auf einen geographischen Raum zu beschränken – mittels einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Roman Herz der Finsternis von Joseph Conrad, wie die Autoren Lukas Bärfuss, Hans Christoph Buch, Andrea Paluch, Robert Habeck und Ilija Trojanow in ihren Romanen postkoloniale Potentiale und Perspektiven ausprägen und dabei eigene kulturelle Denkmuster, Stereotype und Dichotomien reproduzieren, vorführen oder modifizieren.
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3. Joseph Conrads Herz der Finsternis als Prätext

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Mit dem Roman Herz der Finsternis schreibt Conrad den ersten britischen Roman, wie Schefold (1999)162 feststellt, der sich kritisch mit dem Imperialismus auseinandersetzt163, wobei die Kolonisation des Kongobeckens, um das Jahr 1876 im Auftrag von König Leopold II. von Belgien, im Roman stellvertretend für das Modell des europäischen Imperialismus gewählt wird. Der Roman stellt eine Zäsur im Genre der Kolonialliteratur dar, denn einerseits nutzt Conrad europäische Vorstellungen von Afrika in seinem Roman dazu, die Kolonialpraxis der Imperialisten zu beschreiben, andererseits verdeutlicht er mit dem dichotomischen Entwurf von Afrika und Europa den Verfall der europäischen Zivilisation in Afrika. Dazu nutzt er koloniale Stereotype als charakteristische koloniale Muster, mit denen eine europäische Vorstellung von Afrika sowie Kolonialfantasien des kolonialen Diskurses entworfen werden. Der Roman gilt in der literaturwissenschaftlichen Forschung als Prätext kolonialkritischer Texte, der neben dieser Funktion auch den wirkungsmächtigen Topos vom ‚Herz der Finsternis‘ zur Kennzeichnung eines afrikanischen Ortes näher bestimmt, der bereits zur Entstehungszeit des Romans den ‚dunklen Kontinent‘ als Ort des Unbekannten kennzeichnete. Einen Ort, der durch die Abwesenheit von Zivilisation bestimmt ist und gleichfalls als „prähistorische Unterwelt“ und „prähistorische Finsternis“ (Stockhammer 2005: 136) gilt. Auf diesen im Roman evozierten Topos beziehen sich nicht nur Autoren von Afrika-Literatur, sondern er wird gleichfalls zur Kennzeichnung des unentdeckten Fremden oder eines von Zivilisationslosigkeit gekennzeichneten Ortes verwendet.

Joseph Conrads Roman gilt gemeinhin als Prätext des kolonialkritischen Romans, obwohl Conrad seine Erzählung mit sämtlichen...

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