Show Less
Restricted access

Kulturmanöver

Das k.u.k. Kriegspressequartier und die Mobilisierung von Wort und Bild

Series:

Edited By Sema Colpan, Amália Kerekes, Siegfried Mattl and Magdolna Orosz

Der Band befasst sich mit dem k. u. k. Kriegspressequartier (KPQ), das von seiner Entstehung und Komplexität her unter den kriegsführenden Ländern des Ersten Weltkriegs einzigartig war. Die Aufsätze widmen sich zum einen jenen Maßnahmen, die das KPQ anordnete, leitete und kontrollierte. Dazu gehörten die Kriegsberichterstattung in journalistischen Frontberichten und fotografischen Dokumentationen, die Verarbeitung des Krieges mittels Malerei oder das Festhalten des Kriegsgeschehens mit der Filmkamera. Zum anderen bewerten die Autoren die Propagandamaßnahmen innerhalb eines breiteren Bezugsrahmens, und zwar mit Blick auf die alternativen Spielräume, die die zentralisierte Verwaltung gestattete. Als Vergleichsebenen werden außerhalb des Wirkungsbereichs des KPQ liegende Tendenzen des Kulturbetriebs herangezogen.
Show Summary Details
Restricted access

Kriegsökonomien des Dokumentarischen. Zu Schwenks in Fabrikationsfilmen aus dem Ersten Weltkrieg

Extract

| 283 →

Joachim Schätz

Kriegsökonomien des DokumentarischenZu Schwenks in Fabrikationsfilmenaus dem Ersten Weltkrieg

In der Geschichtsschreibung des nichtfiktionalen Films nimmt der Erste Weltkrieg eine entscheidende Schwellenfunktion ein: Die staatlichen Propagandabemühungen im Ersten Weltkrieg, so der Befund des Filmhistorikers Tom Gunning, bringen erstmals ein genuin dokumentarisches Kino hervor, wie es später in Dokumentarfilmtheorien etwa bei John Grierson beschrieben wird. Statt eines ­Kinos der Ansichten, welches das Schauen auf bestimmte Orte und Vorgänge in den Vordergrund stellt, entstehen argumentative Strukturen der Montage und Dramaturgie. Filme beginnen, in ihrer Anordnung Beweis zu führen – z.B. für oder gegen kolportierte Schäden, die man angeblich dem Feind beigebracht oder von ihm erlitten habe.1

Aus dieser gängigen Geschichtsschreibung des nichtfiktionalen Films von der Beschauung zur dokumentarischen Interpretation der Wirklichkeit fallen Industriefilme tendenziell heraus. Sie bilden, wie einige andere Gruppen von Gebrauchsfilmen, eine Parallelgeschichte mit erstaunlichen Konstanten und Ungleichzeitigkeiten, etwa in Gestalt des Fabrikationsfilms: Gezeigt wird, immer wieder, in einer Schnittfolge von Arbeitsschritten der Prozess, der vom Rohstoff zum konsumierbaren Endprodukt führt. Diese Dramaturgie existiert bereits in den frühen 1910er Jahren, und sie schließt an vor-kinematografische mediale Formen wie Enzyklopädien-Einträge oder pädagogische Diaschauen an.2 Tom Gunning sieht in dem Fabrikationsfilm und dem von ihm aufgeführten »basic narrative of industrial capitalism« das am weitesten ausdifferenzierte ← 283 | 284 → Erzählmuster im nicht-fiktionalen Film vor dem Ersten Weltkrieg – ein Muster, das sich bis heute in Firmenfilmen oder auch...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.