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Kulturmanöver

Das k.u.k. Kriegspressequartier und die Mobilisierung von Wort und Bild

Series:

Sema Colpan, Amália Kerekes, Siegfried Mattl and Magdolna Orosz

Der Band befasst sich mit dem k. u. k. Kriegspressequartier (KPQ), das von seiner Entstehung und Komplexität her unter den kriegsführenden Ländern des Ersten Weltkriegs einzigartig war. Die Aufsätze widmen sich zum einen jenen Maßnahmen, die das KPQ anordnete, leitete und kontrollierte. Dazu gehörten die Kriegsberichterstattung in journalistischen Frontberichten und fotografischen Dokumentationen, die Verarbeitung des Krieges mittels Malerei oder das Festhalten des Kriegsgeschehens mit der Filmkamera. Zum anderen bewerten die Autoren die Propagandamaßnahmen innerhalb eines breiteren Bezugsrahmens, und zwar mit Blick auf die alternativen Spielräume, die die zentralisierte Verwaltung gestattete. Als Vergleichsebenen werden außerhalb des Wirkungsbereichs des KPQ liegende Tendenzen des Kulturbetriebs herangezogen.
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»Eine mit Jetztzeit geladene Vergangenheit«. Zur Ökonomie des Ersten Weltkriegs in Romanen rund um die Wirtschaftskrise von 1929

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Sabine Zelger

»Eine mit Jetztzeit geladene Vergangenheit«Zur Ökonomie des Ersten Weltkriegsin Romanen rund um dieWirtschaftskrise von 1929

Walter Benjamin hat die dramatischen Veränderungen durch den Ersten Weltkrieg an vier Erfahrungsstörungen festgemacht, die die Erzählbarkeit torpedieren: »die strategischen durch den Stellungskrieg, die wirtschaftlichen durch die Inflation, die körperlichen durch die Materialschlacht, die sittlichen durch die Machthaber«.1 Drei dieser Dimensionen betreffen Front- und Machterlebnisse, für die das Kriegsende eine gravierende Zäsur bedeutete. Die vierte hingegen, die ökonomische, ist über 1918 hinaus unverändert Thema geblieben und hat mit noch exaltierteren Entwicklungen in den 1920er Jahren die Erfahrungen immer mehr verstört und die Erzählbarkeit immer weiter unterminiert. Das musste, so meine Annahme, weitreichenden Einfluss auf die Sicht- und Teilungsprinzipien haben, mit denen Pierre Bourdieu dominante Aufteilungen der Perzeption bzw. Wahrnehmungskonventionen bezeichnet.2 Im Besonderen ist zu vermuten, dass national und politisch orientierte Teilungen an Bedeutung verloren und Sichtbarkeitsprinzipien verändert wurden, die die Herrscher mehr als die Beherrschten, die Staatsmacht mehr als die Wirtschaftsmacht und die Front mehr als das Hinterland beleuchteten. Mit anderen Worten: Die krisenhafte Wirtschaft der Zwischenkriegszeit führte kurzfristig zu einem Wandel der Sicht- und Teilungsprinzipien und ließ den Ersten Weltkrieg, auch jenseits marxistischer Deutungen, v.a. als ökonomische Angelegenheit rekapitulieren. Dies ist umso spannender, als der Weltkrieg später fast ausschließlich als kriegerische Schlacht und nationale Angelegenheit herrschender und befehligter Männer erinnert und beforscht wurde und die vielschichtigen Veränderungen, die...

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