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Kulturmanöver

Das k.u.k. Kriegspressequartier und die Mobilisierung von Wort und Bild

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Edited By Sema Colpan, Amália Kerekes, Siegfried Mattl and Magdolna Orosz

Der Band befasst sich mit dem k. u. k. Kriegspressequartier (KPQ), das von seiner Entstehung und Komplexität her unter den kriegsführenden Ländern des Ersten Weltkriegs einzigartig war. Die Aufsätze widmen sich zum einen jenen Maßnahmen, die das KPQ anordnete, leitete und kontrollierte. Dazu gehörten die Kriegsberichterstattung in journalistischen Frontberichten und fotografischen Dokumentationen, die Verarbeitung des Krieges mittels Malerei oder das Festhalten des Kriegsgeschehens mit der Filmkamera. Zum anderen bewerten die Autoren die Propagandamaßnahmen innerhalb eines breiteren Bezugsrahmens, und zwar mit Blick auf die alternativen Spielräume, die die zentralisierte Verwaltung gestattete. Als Vergleichsebenen werden außerhalb des Wirkungsbereichs des KPQ liegende Tendenzen des Kulturbetriebs herangezogen.
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Antlitze des Weltkrieges. Bildarchiv und Biopolitik – Forschungsdesiderat Kriegsfotografie

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Tamás Lénárt

Antlitze des WeltkriegesBildarchiv und Biopolitik –Forschungsdesiderat Kriegsfotografie

I.

Die Fotografien aus dem Ersten Weltkrieg bilden ein Archiv. Kein vollständiges, vollständig definiertes Archiv, aber doch ein deutlich besser konturiertes, als etwa das Archiv der Aufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Archive, meint Jacques Derrida, lassen sich durch eine Toponomologie bestimmen; durch den Ort, wo sie aufbewahrt werden, und durch das damit verbundene Gesetz, das dieses Archiv gründet.1 Diese Gründung ist freilich nicht gleich mit der Stiftung der Institutionen, die sich um die Fotografien kümmern sollen – wenn auch nicht unabhängig von diesem immer etwas verspäteten Gründungsakt –, sondern ereignet sich bereits im archivalischen Medium der Fotografie, die ein Bild auswählt, aus der Fülle der Wirklichkeit gleichsam herausreißt (diese Gewaltakt wird dann zum Gesetz), um es aufzubewahren, zu verewigen, für die Zukunft zu fixieren. Der Topos dieses Archivs ist also die Lichtplatte selbst, so konstruiert, um die ausgewählten Bilder konservieren zu können. Der berühmte fotografische Blick ist immer schon ein archivalischer, der im Moment der Aufnahme das Archiv im Kopf hat, für das Archiv fotografiert.

Dieses Archiv, um Derridas Gedankengang weiter zu verfolgen, bewegt sich stets an der Schnittstelle von Privatem und Öffentlichem, von Geheimem und Nicht-Geheimem; ordnet die Verhältnisse zwischen Äußerem und Innerem neu, indem es als Erinnerungsstütze, Prothese der individuellen und kollektiven Erinnerung fungiert, und damit...

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