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Selbstverortungen

Migration und Identität in der zeitgenössischen deutsch- und englischsprachigen Gegenwartsliteratur

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James Orao

Die gegenwärtige Migrationsliteratur befindet sich im Allgemeinen am Schnittpunkt diverser Komplexitäten, die ihre Wahrnehmung erheblich beeinflussen. Die Konstruktion von und Auseinandersetzung mit Fremdem und Eigenem und insbesondere mit Identität stehen daher im Vordergrund dieser Texte. Den Formen, die diese Auseinandersetzung annehmen kann, wird hier anhand von gegenwärtiger Migrationsliteratur aus Deutschland und Kanada vergleichend nachgegangen. Im Zentrum steht dabei die Analyse der Figurationsmöglichkeiten von Identität und Migrationserfahrungen.
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3.3.1. Die unsichtbare Großstadt

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Die Texte der Migrationsliteratur, die das Untersuchungskorpus dieser Arbeit bilden, stellen ein schattenhaftes monolithisches Bild der Großstadt dar und ← 178 | 179 → vermeiden jegliche tiefer gehende Charakterisierung dieses für sie doch ganz wichtigen Sujets. Nicht nur Shaktis (und Willies – „Buckingham Palace and Speakers’ Corner“ – und Moses’ – „Hyde Park“) London wird auf seine notwendigsten Kennzeichen und nichts Weiteres reduziert, auch Schami323 lässt Lutfi sein Leben in Frankfurt lediglich am Flohmarkt verbringen, ohne die Stadt jenseits des Flusses je richtig zu verbildlichen. Nirgendwo werden die bereisten und bewohnten Städte richtig aufgegriffen und „als Zeichenstätte[n], als selbstreferentielle […], sich selbst reproduzierende […] Text[e] inszeniert“.324 Ob nun diese Städte Bissoondaths London, Toronto, Montreal, Vassanjis Nairobi, Dar-es- Salam oder Toronto, Moras und Felixas Berlin oder sogar Trojanows unbenannte Städte sind – sie bleiben indifferente schattenhafte Orte; den anderen Figuren gegenüber fungieren sie einfach als „Entry“- und Exit-points“. Diese Figuration der Großstadt unterscheidet sich grundsätzlich von bestehenden Großstadtliteraturen, in denen die Großstadt ihr Wesen und ihre Konturen klar darstellt und als facettenreicher Raum vorkommt. Die Texte der Migrationsliteratur entwerfen, trotz ihrer wesentlichen Verarbeitung des sich selbst zuwendenden Subjekts, für den Migranten nur konturenlose (oder, im Beispiel von Vassanjis Toronto in No New Land, monolithische) Städte. Wie es bereits oben als These angelegt wurde, liegt diese fehlende Raumwahrnehmung nicht daran, dass die Raumwahrnehmung wegen beschleunigter Bewegung oder zunehmender Geschwindigkeit des reisenden Subjekts zunichtegemacht würden, sondern vielmehr daran, dass das Subjekt (der Migrant)...

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