Show Less
Restricted access

Managementprognosen und Analystenschätzungen

Empirische Untersuchung zum Prognoseverhalten von Unternehmen und Finanzanalysten

Series:

Kai Lehmann

Managementprognosen sind ebenso wie die Schätzungen von Finanzanalysten eine wesentliche Informationsquelle beim Kapitalallokationsprozess von Investoren. Allerdings sind sowohl Unternehmen als auch Analysten in ein verzweigtes Geflecht von Interessenkonflikten eingebettet, die eine unverzerrte Informationsvermittlung beeinträchtigen können. Vor diesem Hintergrund untersucht der Autor, inwiefern die kommunizierten Einschätzungen beider Gruppen zu finanzwirtschaftlichen Leistungsindikatoren als verlässlich angesehen werden können und welche Faktoren die Treffgenauigkeit dieser Prognosen beeinflussen. Die Analyse beruht auf der Auswertung von 3.870 Einzelprognosen von Unternehmen des HDAX und den korrespondierenden Analystenschätzungen im Zeitraum von 2005 bis 2011 und zeigt systematische Zusammenhänge im Prognoseverhalten beider Gruppen.
Show Summary Details
Restricted access

2 Konzeptionelle Grundlagen

Extract

2  Konzeptionelle Grundlagen

In der wissenschaftlichen Literatur findet sich keine einheitliche Abgrenzung des Begriffs „Prognose“.22 Der Begriff geht auf das griechische Wort „Prognosis“ zurück, was mit „Vorhersage“ oder „Vorhersehen“ übersetzt werden kann. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Prognose eine Aussage über ein zukünftiges Ereignis.23 Diese Definition ist allerdings sehr weit gefasst und bedarf für den Bereich der Wirtschaftswissenschaft, in dem Prognosen in vielen Teildisziplinen in Theorie und Praxis seit langer Zeit eine bedeutende Rolle spielen24, einer weiteren Präzisierung. So umfasst obige Definition auch Aussagen wie „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich‘s Wetter oder‘s bleibt wie es ist“, die aufgrund ihres totalen logischen Spielraums und dem damit einhergehenden sicheren Eintreten komplett inhaltsleer und somit unbrauchbar sind.25 Der Prognosebegriff sollte daher zweckmäßigerweise auf solche Aussagen beschränkt werden, die nach einer gewissen Zeitspanne auf ihren Eintritt hin überprüft werden können. Prognosen gelten als überprüfbar, wenn sie mit möglichen zukünftigen Ereignissen unvereinbar sind, d.h. ihre Eintrittswahrscheinlichkeiten weniger als Eins betragen, sich auf ein endliches, geschlossenes Zeitintervall und auf präzise Sachverhalte beziehen.26 Grundvoraussetzung gehaltvoller Vorhersagen ist somit, dass die zu prognostizierenden Zustände oder Veränderungsprozesse zum Zeitpunkt der Prognoseerstellung instabil sind, sonst wäre der Prozess der Prognoseerstellung obsolet.27 ← 9 | 10 →

Allerdings ist die Verifizierbarkeit von Prognosen allein mit der Erfüllung dieser Bedingungen noch nicht sichergestellt, da nicht zwingend erkennbar sein muss, auf welchen Annahmen die jeweilige Aussage fußt....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.