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Symbolon

Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e. V.

Series:

Hermann Jung

Band 19 des Jahrbuchs SYMBOLON dokumentiert Vorträge aus unterschiedlichen Disziplinen, die bei den Jahrestagungen der Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e. V. 2009–2011 in Ludwigshafen/Rhein und Frankfurt/Main gehalten wurden. Folgende Themenkreise werden behandelt: «Symbole von Trauer und Hoffnung» (Liebeslied als Heimatlied, Tibetisches Totenbuch, Jakobsweg, Jenseitssymbolik, kunsthistorische Phänomene, Das Wunder von Marxloh – ein Moschee-Werbefilm, Symbolbildung und Grenzsituation, Requiem), «Symbole und Zeichen domestizierter Natur I. Das Haus» (Raum und Musik, private Räume des Selbst, die Aura eines Ortes, Schreine der Götter, Weltgehäuse), «II. Sakralbau und Garten» (das Haus Gottes, das Wilde und das Gezähmte im Mittelalter, Boschs Garten der Lüste, literarische Figurationen des Gartensymbols, der phantastische Garten, die Moschee, die Gärten der Hexen und weisen Frauen), weiterhin ein Beitrag zur 40-jährigen Geschichte der Symbolgesellschaft.
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Peter Dinzelbacher Die Symbolik des Wilden und des Gezähmten im Mittelalter. Ein Beitrag zum ,Prozess der Zivilisation’

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Peter Dinzelbacher

„In fondo, che cosa c'è di più bello che raccontare il medioevo? [. . .] È anche un modo per capire quanto erano diversi da noi quegli uomini tanto lontani: e insieme quanto erano simili a noi.“1

Einleitung

Der folgende Beitrag fügt sich ein in das Rahmenthema Symbole und Zeichen domestizierter Natur – Natur sowohl im Sinne von Umwelt, Tierwelt als auch menschlicher Natur. Er versucht, generell die Situation für das europäische Mittelalter anhand epochenspezifischer Formen der Opposition von Kultur und Natur zu skizzieren. Abgesehen von den materiellen Gegebenheiten wie Urwald - Rodungsland - Garten stehen die bewusste und unbewusste Bewertung der Umwelt nach den genannten Kategorien sowie die zivilisatorische Haltung in jener Epoche im Mittelpunkt. Sie manifestiert sich vielfach sowohl im religiösen als auch im profanen Bereich (z. B. Zähmung des Körpers im Kloster und am Hof; Zähmung wilder Tiere in der fürstlichen Menagerie). Dem stehen dialektisch Strömungen zur Wiedereinführung der Natur entgegen, z. B. in manchen Sekten chaotische Promiskuität anstelle von Keuschheit und geregelten Beziehungen oder allgemeiner die Kontrakarierung des christlichen Lebens an bestimmten Brauchtumsterminen.

Natürlich fehlen auch ambivalente Situationen nicht, etwa in der romanischen und gotischen Kunst die Einbindung pflanzlichen und animalischen Lebens in die Architektur und den Buchschmuck, die in wohlgeordnet gezähmter Form ebenso erfolgte wie in überbordender und beunruhigender.

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