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Verändern Gender Studies die Gesellschaft?

Zum transformativen Potential eines interdisziplinären Diskurses

Series:

Franz Gmainer-Pranzl, Ingrid Schmutzhart and Anna Steinpatz

Gender Studies haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als kulturwissenschaftlicher, interdisziplinärer und gesellschaftskritischer Diskurs etabliert. Sie analysieren die soziale und kulturelle Konstruktion von Geschlecht, kritisieren etablierte (meist unsichtbare) Machtstrukturen, die Diskriminierung und Ausschließungen produzieren, und beleuchten die Intersektionalität der Dimension Gender mit ethnischen, sozialen, politischen, ökonomischen und religiösen Lebensbereichen. Trotz hoher theoretischer Standards und eines differenzierten Problembewusstseins stellen sich den Gender Studies allerdings durch eingefahrene gesellschaftliche Spielregeln, ökonomische Vorgaben und diskursive Identitätskonstruktionen wirkmächtige Widerstände entgegen. Lassen sich kulturelle Logiken, die repressive und exkludierende Strukturen als natürlich ausgeben, überwinden? Verändern also Gender Studies die Gesellschaft? Eine interdisziplinäre Tagung an der Universität Salzburg setzte sich im November 2013 mit dieser Frage auseinander und zeigte aus der Perspektive unterschiedlicher Wissenschaften das gesellschaftsverändernde Potential der Gender Studies auf.
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Vom Exotismus zu den Abgründen der political correctness: Wie Gender Studies die Religionswissenschaft verändert haben

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Einleitung

Eigentlich sollten Religionswissenschaft und Gender Studies sehr gut zueinander passen: Beide haben ein gewisses Selbstdefinitions- und Abgrenzungsproblem im altehrwürdigen Gehege der etablierten Wissenschaften. Die Religionswissenschaft ist immerhin um einiges älter als die Gender Studies, kann sie doch Gründerväter im 19. Jahrhundert reklamieren. Gleichzeitig war keiner dieser Klassiker der Religionswissenschaft, wie ein bekannter Buchtitel lautet, tatsächlich seinem Selbstverständnis nach Religionswissenschaftler, sondern Anthropologe (E.B. Tylor), Philologe (F.M. Müller), Soziologe (M. Weber).1 Religionswissenschaft hieß in ihren Anfängen, sich mit den in der jeweiligen Disziplin erworbenen Kompetenzen mit dem Forschungsgegenstand Religion zu beschäftigen. Ähnliches lässt sich zumindest an österreichischen Universitäten noch heute für die Gender Studies sagen, sind doch die meisten jener Lehrenden, die einem solchen Schwerpunkt zugezählt werden, bis auf wenige Ausnahmen nicht für Gender Studies habilitiert, sondern für verschiedenste, zumeist kultur- oder sozialwissenschaftliche Fächer, aus deren Perspektive sie sich mit Fragen von Geschlechterkonstruktionen und –rollen beschäftigen. Auch die Religionswissenschaft, die es doch schon seit einigen Jahrzehnten als eigenes Fach mit Möglichkeit zur Habilitation gibt, lebt nach wie vor oft von der jeweiligen Teildisziplin, der ihre VertreterInnen entstammen, und ist so viel stärker als traditionelle geisteswissenschaftliche oder gar theologische Disziplinen zersplittert in ein mindestens ebenso breites Spektrum wie die Gender Studies. ← 271 | 272 →

Beide, Gender Studies und Religionswissenschaft, definieren sich also nicht durch eine lange Wissenschaftsgeschichte oder Methode, sondern durch ihren Forschungsgegenstand. Trotz dieser offensichtlichen wissenschaftsgeschichtlichen und...

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