Show Less
Restricted access

Tendenzen der zeitgenössischen Dramatik

Series:

Paul Martin Langner and Agata Mirecka

Der Band vereint elf Beiträge zu Werken von jüngeren und «klassischen» Theaterautoren wie Lukas Bärfuss, Bertolt Brecht,Martin Crimp, Ödön von Horváth, Janosch, Dea Loher, Christoph Marthaler, Heiner Müller, Hermann Nitsch, Roland Schimmelpfennig und Lothar Trolle. Die Abhandlungen der WissenschaftlerInnen, die an verschiedenen Universitäten in Europa tätig sind, erarbeiten zum Teil neue methodische Zugänge, die die Werke in umfassende Prozesse der Gegenwart einbetten. Ein weiterer Schwerpunkt in den hier versammelten Artikeln sind die Bedingungen und Aspekte der Rezeption von deutschsprachigen Autoren im In- und Ausland. Das Buch eröffnet Einblicke in aktuelle Bühnenprojekte und Inszenierungen.
Show Summary Details
Restricted access

Reaktionen auf Geschichte: Geschichtsraum im Theater von Lothar Trolle – gezeigt am Beispiel von Das Dreivierteljahr des David Rubinowicz

Extract



In seiner Studie „Geschichte aufführen“ zeigt der Theaterwissenschaftler Freddie Rokem, welche Bedeutung das Theater als Zeuge der Geschichte einnimmt und widerspricht dem aristotelischen Grundsatz, dass Dichtung von Geschichte genau zu unterscheiden sei. Für Aristoteles nahm die Dichtung einen höheren Rang als die Geschichtsschreibung ein, bewege sie sich doch im Bereich des Möglichen und des Universellen, während sich die Geschichtsschreibung allein an Fakten orientiere. Rokem resümiert, dass diese Unterscheidung zwar für das griechische Theater, welches sich auf mythische Narrative gründete, noch äußerst nachvollziehbar sei, bezogen auf die vielfältigen Beziehungen zwischen Theater und Geschichte seit der Entwicklung des Modernen Theaters aber einer Revision bedarf.1 Wie der Titel seiner Studie schon vorwegnimmt, stehen Geschichte und Theater in einem sehr spannungsreichen, dialektischen Verhältnis zueinander: Auf der einen Seite bedient sich die Geschichtsschreibung ästhetischer Mittel, um die historischen Fakten in eine narrative Form zu bringen. Diese Narrationen und Formen der Geschichtsschreibung wiederum fließen in die künstlerische Bearbeitung historischer Ereignisse auf der Bühne ein und können auch als Reaktion auf Geschichte bewertet werden.

Aus dieser Ausdifferenzierung zwischen Theater und Geschichte ergeben sich mehrere Konsequenzen, die für die Analyse von Aufführungen und Stücken bedeutsam sind. Zunächst wird dadurch die gesellschaftliche Dimension, die das Theater bei der Darstellung von Geschichte einnimmt, betont. Die Theateraufführungen werden als aktiver Teil innerhalb eines gesellschaftlichen Diskurses wahrgenommen und ihre Rolle bei der Hervorbringung von kollektiven Identitäten herausgestellt....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.