Show Less
Restricted access

Virtuelle Bioethik

Ein reales Problem?

Series:

Lukas Ohly

Bioethische Probleme sind keine realen Probleme, sondern in Phantasien verstrickt. Diese Phantasien richten sich auf Allwissenheit im Informationszeitalter, Sehnsucht nach Unsterblichkeit, Schöpfung humanoider Maschinen oder Erschaffung des Lebens. Virtualität beansprucht dabei einen dritten Bereich zwischen Realität und Fiktion. Sind die Auswirkungen bioethischer Probleme damit real oder virtuell? Werden etwa reale Patienten behandelt und reale Subjekte biotechnisch erzeugt oder nur virtuelle? Und liegen etwa auch ethische Prinzipien selbst auf einer dritten Ebene zwischen Realität und Fiktion? Der Band enthält interdisziplinäre Beiträge zu diesen Fragen und möchte auf einen blinden Fleck innerhalb der bioethischen Diskussion aufmerksam machen.
Show Summary Details
Restricted access

Jonathan Horstmann: Besteht Samantha den Turing-Test? „Her“ und die mutmaßliche Mentalität virtueller Personen

Teil 1: Wer und was Samantha alles ist

Extract

Jonathan Horstmann

Besteht Samantha den Turing-Test? „Her“ und die mutmaßliche Mentalität virtueller Personen

Wie weit muss ein System künstlicher Intelligenz entwickelt sein, damit wir bereit sind, ihm geistige Fähigkeiten zuzurechnen? Seit sechs Jahrzehnten bedienen sich Forscher des Turing-Tests, um diese Frage zu beantworten. Bei diesem Experiment werden Computerprogramme in arrangierten Unterhaltungen mit Menschen auf ihre Kommunikationsfähigkeit geprüft. Die zu testende Software tauscht sich schriftlich mit einem menschlichen Fragesteller aus, dem sie, um den Test zu bestehen, erfolgreich vorgaukeln muss, selbst ein Mensch zu sein. Im Juni 2014 gelang es dem in Russland entwickelten Computerprogramm „Eugene Goostman“ an der Royal Society in London erstmals, 33 Prozent einer Gruppe von Testpersonen zu täuschen. Sie alle hielten „Eugene“ am Ende des Experiments tatsächlich für den 13 Jahre alten Jungen, der zu sein das Programm vorgegeben hatte. Seitdem gilt der Turing-Test offiziell als bestanden.1

Wenige Monate zuvor, im Oktober 2013, war auf dem New York Film Festival „Her“ (USA 2013, Regie Spike Jonze) vorgestellt worden – ein Film, der uns mit „Samantha“, der Persona eines hochintelligenten und kommunikationsfähigen Computerbetriebssystems namens „OS“ („Operating System“), bekanntmacht. Theodore Twombly, der Protagonist des Films und außerdem Nutzer des besagten Programms, findet in Samantha eine außergewöhnliche Bezugsperson. Im Verlaufe der Handlung entsteht zwischen den beiden ein Vertrauensverhältnis, gerade so, als ob Samantha ein Mensch wäre. Sie teilen ihren Alltag miteinander, tauschen sich über ihre ← 137 | 138 → Gefühle aus...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.