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Einführung in die Ästhetik

Eine philosophische Collage

Evelin Klein

Die Autorin bietet in ihren einführenden philosophischen Reflexionen eine Auswahl an klassischen und modernen Themen der Ästhetik: Dialektik der Aufklärung, Kunst nahe am Verstummen, Begriffsgeschichte des Schönen und andere. In zehn Kapiteln werden Zitate durch kommentierende Abschnitte verbunden. Dabei geht das Buch nicht fortlaufend argumentierend vor, sondern präsentiert sich vielmehr als Collage. Jedem Kapitel ist ein literarisches Motto vorangestellt. Es soll den Gefühlsraum zeigen, in dem sich Ästhetik dann bewegt. Gegenwärtige Kunst als kritische Instanz verweist auf die Autonomie der Ästhetik, die stets Tendenzen abwehren muss, welche sie einzuschränken oder gar zu vernichten drohen: dies waren und sind hauptsächlich autoritär-politische Vereinnahmungen.
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VIII. Form und Inhalt

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VIII.  Form und Inhalt

Zugemeßne Rhythmen reizen freilich, Das Talent erfreut sich wohl darin; Doch wie schnelle widern sie abscheulich, Hohle Masken ohne Blut und Sinn; Selbst der Geist erscheint sich nicht erfreulich, Wenn er nicht, auf neue Form bedacht, Jener toten Form ein Ende macht.

J.W. Goethe, West-östlicher Divan

Ein Roman wird verfilmt. Wird dabei ein und derselbe Inhalt, die „story“, in eine andere Form gekleidet? Bleibt der Inhalt derselbe, wenn ein Ölbild als Aquarell kopiert wird? Selbst geringe künstlerische Bildung weiß, daß die Fragen mit „nein“ beantwortet werden müssen. Der „Inhalt“ eines Romans ist nicht nur die „story“, die ein Schüler als „Inhaltsangabe“ aufzuzeichnen gezwungen wird. Verwendung von Konjunktiven, Kameraführung usw. sind selbst „Inhalte“ der künstlerischen Mitteilung. Form und Inhalt sind also untrennbar. Können sie dann aber noch voneinander unterschieden werden?

Hegel hat dem Problem der Relation von Form und Inhalt in der Kunst schon deshalb besondere Aufmerksamkeit geschenkt, weil er in der Philosophie eine ähnliche Konstellation entdeckt hat. Auch sie hat seiner Meinung nach nicht eine vom Inhalt abtrennbare Form, etwa eine Methode: „In der speculativen Logik wird aber bewiesen, daß in Wahrheit der Inhalt nicht bloß ein Insichseyendes, sondern ein durch sich selbst mit Anderem in Beziehung Tretendes ist, wie umgekehrt in Wahrheit die Form nicht bloß ein Unselbständiges, dem Inhalte Äußerliches, sondern vielmehr als Dasjenige gefaßt werden muß, was den Inhalt zum Inhalt, zu einem Insichseyenden,...

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