Show Less
Restricted access

Drago Julius Prelog

Eine gemalte Biographie

Semirah Heilingsetzer

56 Hommage-Bilder stehen für eine Zeitspanne von 56 Jahren – beginnend 1959, mit der ersten Ausstellung in der legendären Galerie «Zum Roten Apfel» bis zum Jahr 2014. Begleitet von vielfältigen Bildbeispielen stellt sich chronologisch geordnet ein abwechslungsreiches Künstlerleben dar, gewährt einen uneingeschränkten Blick auf Höhen und Tiefen, auf Zuversicht und Zweifel, auf Versagen und Gelingen.
Show Summary Details
Restricted access

Drago Prelog und das Schreiben: Wolfgang Hilger

Extract

Wolfgang Hilger

Als Drago Prelog 1960 erstmals mit abstrakt-skripturalen Kompositionen zu experimentieren begann, hatte er sich bereits zuvor auf höchst eigenwillige Weise mit dem Phänomen Schrift auseinandergesetzt, wobei er das Geschriebene einer Verschlüsselung unterwarf, sodass der Text eigentlich nur mehr für den Eingeweihten lesbar blieb. So schrieb er 1957, noch vor seinem Studium an der Wiener Akademie, den gesamten Koran in einer deutschen Übersetzung ab, entwickelte dafür allerdings ein eigenes Alphabet. Zwar bildete die lateinische Schrift die Basis für dieses Unternehmen, doch Prelog veränderte den Charakter der Buchstaben so deutlich, dass man sich als Außenstehender für die Lektüre dieses Textes weitgehend ein spezielles neues Alphabet aneignen muss. Dies geschah keineswegs aus dem Grund, als „Krypto-Moslem“ zu agieren, sondern um gegenüber dem dominanten lateinischen Schriftsystem Alternativen aufzuzeigen. Prelog weiß, nicht allein durch seine überwiegend südslawischen Wurzeln, dass in Südosteuropa mit dem Kyrillischen oder dem nicht mehr verwendeten Glagolitischen auch andere Buchstabenschriften ihre Gültigkeit haben oder hatten.

Für Prelog waren somit unsere mitteleuropäischen Schreib- und Schriftgewohnheiten nicht mehr sakrosankte Faktoren, sondern ein weites Experimentierfeld, wobei er ab den 1960er Jahren auch den Informationscharakter des geschriebenen Wortes aufgab und somit auf den sprachgebundenen Inhalt eines Textes verzichtete. Es entstanden gitterförmige Strukturen durch eng aufeinanderfolgende, parallele, meist leicht nach rechts geneigte Striche als Reduktionen einzelner Buchstaben. Meist erzeugen trennende waagrechte Linien einzelne Zeilen, ohne dass diese der Diktatur des rechten Winkels Folge leisten....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.