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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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1 George: Komm in den totgesagten park

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Komm in den totgesagten park und schau:Der schimmer ferner lächelnder gestade·Der reinen wolken unverhofftes blauErhellt die weiher und die bunten pfade.

Dort nimm das tiefe gelb· das weiche grauVon birken und von buchs· der wind ist lau·Die späten rosen welkten noch nicht ganz·Erlese küsse sie und flicht den kranz·

Vergiss auch diese lezten1 astern nicht·Den purpur um die ranken wilder reben·Und auch was übrig blieb von grünem lebenVerwinde leicht im herbstlichen gesicht.

Das bekannteste und immer wieder sehr bewunderte Gedicht Stefan Georges. Es findet sich in der frühen Gedichtsammlung „Das Jahr der Seele“, welche er, 29jährig, im Jahre 1897 zunächst als Privatdruck herausbrachte. Die öffentliche Herausgabe folgte 1899. Der erste Teil dieser Sammlung ist nach Jahreszeiten gegliedert und in drei Unterabteilungen aufgeteilt. Sie tragen die Titel „Nach der Lese“, „Waller im Schnee“ und „Sieg des Sommers“, ordnen die betreffenden Gedichte also dem Spätherbst (nach Abschluß der Weinlese), dem Winter und dem Übergang zum Sommer zu. Doch macht der Gesamttitel schon deutlich, daß es weniger um diese Jahreszeiten geht als um ihnen entsprechende Seelenstimmungen.

Drei vierzeilige Strophen. Rhythmisches Grundmuster der Verse: fünffüßige Jamben. Der Anfangsvers der ersten Strophe beginnt jedoch mit einem Trochäus, d. h. mit einer betonten Silbe („Kómm in …“), und beim ersten Vers der zweiten Strophe läßt sich eine Betontheit sowohl der ersten als auch der zweiten Silbe annehmen („Dórt n...

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