Show Less
Restricted access

Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

Series:

Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
Show Summary Details
Restricted access

39 Rühmkorf: wollte nur mal fragen

Extract

Wollte nur mal fragen …

Aus der 1999 veröffentlichten Sammlung „Wenn – aber dann. Vorletzte Gedichte“.

Zwanzig durchgehend gereimte Verse, nur der dritte Vers ist eine „Waise“, d. h. er hat keine Reimentsprechung. Durch die Reimverteilung und im Druckbild durch Leerzeilen werden sie in drei Versgruppen von 5, 6 und 9 Versen geteilt. Sieht man einmal von den letzten drei Versen ab, ist die Reimverteilung innerhalb der Versgruppen auffallend symmetrisch. Reimschema (x: ohne Reimentsprechung):



Der Takt ist vorwiegend zweisilbig, aber viele Silben, die bei taktmäßigem Lesen als betont aufgefaßt werden müßten, sind wohl eher unbetont, so daß sich an der betreffenden Stelle dann eine Folge von drei unbetonten Silben ergäbe (5: „etwa ← 290 | 291 → gar vermißt“; 8: „mein Sinn für das Postume“; 9: „der Geist auf seiner schmalen Krume“). Eindeutig dreisilbige Takte: „in der Ferne“; „einen Zug“ (4; 16). Im Vers 14 ist eine schwebende Betonung anzunehmen, weil auch das „du“ als Gegensatzwort zu „ich“ betont werden muß: „weíl: du bist genauso spitz wie ich“. Nur an einer Stelle schneidet eine Versgrenze auffällig in einen engen syntaktischen Zusammenhang ein (16: „schmeißen| würdest“). Das Sprachniveau ist locker umgangssprachlich, sinkt hin und wieder sogar zu vulgärem Slang ab: Man beachte etwa die Ellipse des Personalpronomens („Wollte“ statt „ich wollte“); die unterlassene Inversion des Verbs im Kausalsatz („weil: du bist …“); Ausdrücke wie „wie’s so ist“; „sich real entreißen“; „spitz sein“; „sich in ein...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.