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Außenpolitische Deutungsverwaltung im SED-Regime

Das Institut für Internationale Beziehungen der DDR

Marcus Beyer

Marcus Beyer befasst sich mit dem Institut für Internationale Beziehungen der DDR (IIB) und der Frage nach dessen Aufgaben im Herrschaftsapparat der SED. Das IIB präsentierte sich als eine die außenpolitische Praxis beratende Forschungseinrichtung, de facto bestand seine Hauptaufgabe in der Absicherung der ideologischen Deutungsmacht der Parteiführung. Freiräume für kritische Analysen galten als unerwünscht und standen dem Selbstverständnis des SED-Regimes entgegen. Um die Funktion des IIB besser fassen zu können, wird der Begriff der Deutungsverwaltung eingeführt, die eine wesentliche Voraussetzung für den Ideologietransfer bildete. Auf Grundlage der zahlreich überlieferten Dokumente vom und zum IIB weist der Autor nach, dass sich Forschung am Institut auf Deutungsverwaltung reduzierte.
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1. Einleitung

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1.  Einleitung

1.1  Problemstellung

Die Gründung des Instituts für Internationale Beziehungen der DDR (IIB) im Jahr 1963 fiel in den Prozess der Professionalisierung des außenpolitischen Apparates der SED.1 Sein endgültiges Profil erhielt das Babelsberger Institut dann am Ende der sechziger Jahre. Mit einem Beschluss des Ministerrates am 12. März 1969 erfolgte die diesbezügliche Weichenstellung. Das höchste Regierungsorgan bestimmte damit das IIB zum „Leitinstitut für die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Außenpolitik, des Völkerrechts und der Regionalwissenschaften“ sowie zum „Hauptträger der Aus- und Weiterbildung von Kadern des außenpolitischen Dienstes der DDR und für die Organe der Auslandsinformation“ und verfügte die Einführung des bis 1990 bestehenden fünfjährigen Studiengangs.2 So wenig treffend wie der Begriff des demokratischen Zentralismus die Organisation von Partei und Staat kommunistischer Regime zusammenfasste, dürften die in diesem Beschluss oder in den offiziellen Darstellungen3 formulierten Aufgabenstellungen die Funktionen beschreiben, die das Institut innerhalb des Herrschaftsapparates der Einheitspartei zu erfüllen hatte. Es ist also keineswegs selbstevident, was etwa „wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Außenpolitik“ beinhaltete. So forderte die SED von ihren Gesellschaftswissenschaftlern in erster Linie Parteilichkeit, das allgemeine Selbstverständnis von Wissenschaft unterschied sich in Ost und West dagegen kaum.4 Betrachtet man nun die wenigen Arbeiten von Autoren, die sich bisher mit dem IIB intensiver befasst haben, dann fällt hier zudem eine recht unterschiedliche Bewertung von ← 7 | 8 → dessen Aufgaben sowie Arbeitsweise und -ergebnissen...

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