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Goethes Wanderjahre in Lateinamerika und der Südsee

Dieter Strauss

«Wie gern möchte ich nur einmal Humboldten erzählen hören», so ein Seufzer Ottilies in Goethes Wahlverwandtschaften. Aber auch die anderen großen Lateinamerika-Reisenden und Weltumsegler seiner Zeit waren Goethe bekannt. So zum Beispiel Georg Forster, der die zweite Weltumsegelung Kapitän Cooks mitgemacht hatte, oder auch der Vater des brasilianischen Bergbaus Wilhelm von Eschwege und berühmte Brasilienforscher wie Prinz Wied zu Neuwied oder die Bayern Spix und Martius. Diese Entdecker verführten ihn fast zu einer Auswanderung, es blieb jedoch bei Gedankenreisen nach Lateinamerika und in die Südsee – Träume, die sich auch in seinem Werk widerspiegeln. Mehr noch: Der Reisende und Wanderer Goethe ist mit seiner Begeisterung für die Neue Welt in Werken späterer Schriftstellerkollegen selbst zur literarischen Figur geworden.
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„Sie werden gewiss freundlich aufnehmen, dass Ihr Name von schönen Lippen ausgesprochen wird“

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(1)

Der Einfluss Lateinamerikas und der Südsee auf Goethes literarisches Werk

Mit den schönen Lippen bezog sich Goethe auf Ottilie in seinen „Wahlverwandtschaften“, als er im Oktober 1809 diesen Roman an Alexander von Humboldt schickte. Ottilie hatte ja ihrem Tagebuch anvertraut, wie gerne sie einmal Humboldt zuhören würde. (2) Hätte der geahnt, dass er der einzige Reiseforscher ist, den Goethe namentlich in seinem literarischen Werk erwähnte, dann hätte er sich sicher noch weit mehr geschmeichelt gefühlt. Ottilie nannte aber in einem Atemzug auch ihre Bedenken gegen die von Humboldt bereisten exotischen Länder, die den Charakter der Menschen veränderten. Ein erstes Beispiel für den lateinamerikanischen Einfluss auf Goethes Werk.

Es ist keine Frage, dass ein Weltentdecker oder Weltumsegler wie Cook einen schönen Stoff zu einem epischen Gedichte entweder selbst abgeben oder doch herbeiführen könnte, (3) schrieb Schiller im Februar 1798 an Goethe. Eine Auffassung, die Goethe mit Sicherheit teilte, besonders wenn man daran denkt, wie stark die dritte Schweizer Reise mit ihren stofflichen Anregungen seine literarische Produktion beflügelte: Wenn ich Ihnen nun von meinem Zustande sprechen soll, so kann ich sagen, dass ich bisher mit meiner Reise alle Ursache habe zufrieden zu sein, bei der Leichtigkeit, die Gegenstände aufzunehmen, bin ich reich geworden ohne beladen zu sein, der Stoff inkommodiert mich nicht, weil ich ihn gleich zu ordnen oder zu verarbeiten weiß. (4) Gründe, die weitere lateinamerikanische Einfl...

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