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Globalisierung, interkulturelle Kommunikation und Sprache

Akten des 44. Linguistischen Kolloquiums 2009 in Sofia

Series:

Maria Grozeva-Minkova and Boris Naimushin

Dieser Band umfasst 56 Beiträge in deutscher, englischer und französischer Sprache, die auf dem 44. Linguistischen Kolloquium im September 2009 an der Neuen Bulgarischen Universität in Sofia gehalten wurden. Vortragende aus Europa, Asien und Australien behandelten unter dem Thema Globalisierung, interkulturelle Kommunikation und Sprache die vielschichtigen Einflüsse der Globalisierung und der neuen Medien auf die Sprache aus unterschiedlichen Perspektiven. Fragestellungen der gegenseitigen Beziehungen zwischen Sprache und Politik, Sprache und Kultur, Sprache und Gesellschaft werden in Bezug auf die interkulturelle Kommunikation und die Entwicklungstendenzen der Sprache analysiert.
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Rhetorik im Dienste der Transplantationsmedizin

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← 154 | 155 → Anneliese Gottschalk/Klaus-Dieter Gottschalk (Tübingen)

„Der hirntote Mensch ist tot – er wird sterben!“ Mit diesen Worten zitiert Ramm (o.J.: 7) einen österreichischen Mediziner im Fernsehen aus der Zeit, als noch in Deutschland um die gesetzlichen Regelungen zum Hirntod gerungen wurde. Seit 1967, der ersten Herztransplantation, mühen sich Mediziner, Politiker, Moraltheologen, Philosophen, Juristen sowie Interessenverbände ab, den Tod fach- und allgemeinsprachlich umzudefinieren. Früher durfte und konnte jeder Arzt den Tod eines Patienten feststellen. Heute braucht man Spezialisten, Apparate und Messwerte, um das sichere innere Todeszeichen „Hirntod“ zu diagnostizieren; dabei läuft man Gefahr, dass die Angiografie (zur Untersuchung der Hirndurchblutung) und die Prüfung des Atemreizes selber den Hirntod herbeiführen (Kalitzkus, 2009: 111). Andererseits zeigte 1997 der Neurologe J. F. Spittler vom Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer kein Verständnis für Kritik an den Kriterien zur Hirntoddiagnose. Ihn bedrückte „diese ängstliche Irrationalität“ in der Diskussion. Er wolle Aufklärung und Offenheit dagegen setzen (Mainka 1997). Jedoch verweigern Angehörige auch deshalb ihre Zustimmung zur Organentnahme, weil sie an die Grenze ihrer psychischen und seelischen Belastbarkeit gelangen (Kalitzkus, 2009: 84). Für sie ist die Erklärung des Deutschen Ethikrats von 2007 zur Transplantationsmedizin gleichsam ein Schlag ins Gesicht: „Die Bereitschaft zur postmortalen Organspende ist ethisch als die objektiv vorzugswürdige Alternative anzusehen“. (ibid.)

1.1 Die oben erwähnte „ängstliche Irrationalität“ in Spittlers Worten scheint nicht nur medizinische Laien zu befallen, weil sie die Diagnose der Experten nicht nachvollziehen können;...

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