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Prädiktoren von Aggression

Eine Untersuchung der Faktoren Wahrnehmung und Regulation von Emotionen, Ambiguitätstoleranz, Selbstwertschätzung und Selbstwertdiskrepanz bei Patienten aus der Forensischen und der Allgemeinen Psychiatrie

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Christian Fischer

Aggression ist ein Phänomen, mit dem sich bereits zahlreiche Disziplinen der Psychologie beschäftigt haben. Auch wenn in der aktuellen Berichterstattung der Medien der Eindruck entstehen mag, dass aggressives Verhalten ein Merkmal der aktuellen Gesellschaft ist und fortwährend zunimmt, so nimmt Aggression keine Sonderrolle im menschlichen Verhaltensspektrum ein. Ebenso wenig handelt es sich um ein Phänomen der aktuellen Zeit. Dennoch stellt sich die Frage, warum einige Personen vermehrt zur Aggression neigen. Nach einer Übersicht zu psychologischen Theorien zur Erklärung von Aggression und Methoden zur Aggressionsmessung, wird mit den Ergebnissen einer Untersuchung bei Patienten aus der Forensischen und der Allgemeinen Psychiatrie das komplexe Zusammenspiel einzelner Persönlichkeitsmerkmale wie Selbstwertschätzung, Impulsivität, Ambiguitätstoleranz sowie der Faktoren Wahrnehmung und Regulation von Emotionen aufgezeigt. Neben dieser wechselseitigen Beeinflussung der einzelnen Prädiktoren, die von der oftmals trivialen Betrachtung von 1:1-Beziehungen einzelner Prädiktoren von Aggression abrät, ergaben sich weitere Ergebnisse. Diese gehen teilweise über die gängige Literatur hinaus und geben sowohl Anstöße für weitere Untersuchungen von Aggression als auch für die Praxis bei Diagnostik und Therapie (z. B. die Unterscheidung zwischen funktionaler und dysfunktionaler Impulsivität, Einfluss der Ambiguitätstoleranz).
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3 Theoretische Überlegungen zur Aggressionsentstehung

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Mit der Entstehung von Aggression haben sich zahlreiche theoretische Ansätze der Psychologie beschäftigt. Angefangen bei den triebtheoretischen Ansätzen von Freud (1915), in denen davon ausgegangen wurde, dass Gewalttätigkeit eine „Ableitung der Energie des Todestriebes“ (Thanatos) nach außen ist, weiter über verschiedene Lerntheorien, den experimentellen Zugang der Frustrations-Aggressions-Hypothese oder Interaktionistische Ansätze, wie z. B. die „Social Interactionist Theory of coercive Action“ von Tedeschi und Felson (SITCA, 1994), reicht die Verschiedenheit der Erklärungsansätze bis in die heutige Zeit.

Neben diesen rein psychologischen Erklärungsansätzen, auf welche in Kürze näher eingegangen wird, gibt es auch biologische und neuropsychologische Theorien zur Erklärung aggressiven und antisozialen Verhaltens (Hornak, Bramham, Rolls, Morris, O’Doherty, Bullock & Polkey, 2003; Müller, Sommer, Wagner, Lange, Taschler, Röder, Schuierer, Klein & Hajak, 2003; Blair, 2001).

Die Annahme, dass bestimmte Verhaltensweisen mit hirnphysiologischen Besonderheiten einhergehen, ist nicht vollkommen neu, wie das klassische Beispiel von Phineas Gage (Damásio, 1994) zeigt. Am 13. September 1848 erlitt Phineas Gage, der als Vorabeiter bei einer amerikanischen Eisenbahngesellschaft arbeitete, einen schweren Unfall. Bei einer Sprengung schoss ihm eine etwa 1 Meter lange und 3 cm dicke Eisenstange von unten nach oben durch den Schädel, dabei kam es zu Verletzungen im orbitofrontalen und präfrontalen Cortex. Nach einer körperlichen Genesung innerhalb weniger Wochen ließen sich auch bei den intellektuellen Fähigkeiten keine Defizite erkennen. Intelligenz, Gedächtnis, Sprache und Wahrnehmung waren ebenso unbeeinträchtigt...

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