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Die Inszenierung der «Neuen Armut» im sozialpolitischen Repertoire von SPD und Grünen 1983–1987

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Marie Sophie Graf

Das Buch beleuchtet den Diskurs der so genannten Neuen Armut mit Blick auf die Oppositionsparteien SPD und die Grünen in den Jahren 1983 bis 1987. In der Zeit nach dem wirtschaftlichen Boom der 1950er und 1960er Jahre erlebte Armut eine Rückkehr auf die politische Agenda der Bundestagsparteien. Diese Diskussion kreiste ab Mitte der 1970er Jahre um die von Heiner Geißler geprägte Formel der Neuen Sozialen Frage, ab Beginn der 1980er Jahre fand sie dann unter dem Schlagwort der Neuen Armut statt. Die Autorin untersucht das Selbstverständnis der SPD als Volkspartei für die Neuen Armen und das der Grünen als Protestpartei für gesellschaftliche Randgruppen.
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2. Die Deutungsoffenheit des Armutsbegriffs

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2.1 Armut – Zur Unschärfe des Begriffs

„Wir reden über Armut, fragen nach ihrer Existenz, streiten über die Höhe von Armutsquoten und tun damit so, als läge klar und eindeutig fest, worüber wir uns auseinandersetzen. Aber: gibt es denn verbindliche Vorstellungen davon, was ‚arm sein‘ heute bei uns bedeutet?“85 Diese Frage von Marie-Luise Stiefel, Haushaltswissenschaftlerin an der Universität Hohenheim, aus dem Jahre 1986 traf den Kern des Diskurses um die Neue Armut. Zugleich verwies sie auf die Tatsache, dass die gesellschaftlich vorherrschenden Bilder von sozialen Problemlagen keineswegs anhand empirisch erfassbarer Daten eindeutig zu bestimmen seien, sondern ein Produkt zeitlicher und räumlicher Begrenzung, von Definitionen und Messkonzepten darstellten. Auch Hans-Ulrich Wehler hat zu Recht die Mannigfaltigkeit des Armutsbegriffs betont: „Armut ist ein hochemotional besetzter, schillernder Begriff, der zuerst einmal präzisiert werden muss. Denn Genauigkeit ist von Nöten, wenn es um die heikle Frage geht, welches Ausmaß die Armut in der Bundesrepublik, einem der reichsten Länder der Welt, erreicht“.86

Mit Blick auf die Diskussion um die Neue Armut scheint dies vor allem insofern von Bedeutung, als Armutsverständnis und -begrifflichkeit den Diskurs maßgeblich prägen, indem sie Wortführern der Debatte kritische Argumentation ermöglichen, es zugleich aber ihren Gegnern erleichtern, „sich der Wahrnehmung der neuen Armut zu entziehen“87. Im Folgenden wird deshalb zunächst der Armutsbegriff thematisiert. Aufgrund der zentralen Bedeutung der begrifflichen Unschärfe in der Armutsforschung beschränkt sich dies auf...

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