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Inszenierungen des Essens in der Kinder- und Jugendliteratur

Aufklärung – Romantik – Biedermeier

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Sonja Jäkel

Das Motiv des Essens ist in der Kinder- und Jugendliteratur allgegenwärtig – und bisher dennoch kaum erforscht. Dabei weist es weit über seine unmittelbare Körperlichkeit hinaus und trägt als formen- und funktionsreiches Motiv zur Gestaltung literarischer Welten bei. Anhand exemplarischer Texte der Aufklärung, der Romantik und des Biedermeier lotet die Studie aus, wie sich im Mikrokosmos des Essens gesellschaftliche Makrostrukturen und epochenspezifische Konzepte von Kindheit offenbaren. Damit wendet sich die Studie erstmals dem überraschend vielschichtigen Potenzial kinderliterarischer Essensinszenierungen zu und liefert nicht nur einen innovativen Forschungsbeitrag zur Literaturwissenschaft, sondern auch zum interdisziplinären Diskurs um Essen, Kultur und Gesellschaft.
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2. Zwischen Natur und Kultur – das Phänomen Essen

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Aus der Vielfalt der Themenkreise, die das Essen eröffnet, ist die Verschränkung des Natürlich-Sinnlichen auf der einen und des Kulturell-Geformten auf der anderen Seite von besonderem Interesse. Das Essen ist nicht nur ein Naturthema, sondern auch ein Kultur- und Sozialthema, wie Barlösius formuliert. „Essen ist immer zugleich eine natürliche und eine kulturelle Angelegenheit. Es läßt sich deshalb weder nur auf organische Mechanismen noch auf kulturelle Eigenschaften reduzieren.“ (1999: 31) Dem Spannungsfeld zwischen dem natürlich-sinnlichen und dem kulturell-geformten Pol gelten die folgenden Ausführungen.16 Dazu wird aus der Vielzahl der soziologischen, philosophischen und psychologischen Untersuchungen, die zum Thema Essen zu finden sind, hauptsächlich Barlösius’ Grundlagenwerk Soziologie des Essens (1999) herangezogen, daneben eine ernährungspsychologische Studie von Gniech (1995) zu Themen wie Nahrung, Kultur und Genuss sowie Setzweins Arbeit zu Essen und Geschlecht (2004). Auch wenn der Genderaspekt für die vorliegende Untersuchung nicht von spezifischem Interesse ist, so liefert Setzwein in ihrem Werk doch Erkenntnisse zur Verschränkung der Dimensionen Natur und Kultur, die von grundlegender Bedeutung sind.

2.1. Die natürlich-sinnliche Dimension

Die natürlich-sinnliche Dimension des Essens kann, im Unterschied zur kulturellen, vom Menschen kaum bewusst beeinflusst werden. Sie zeigt ← 25 | 26 → sich im triebhaften Bedürfnis, den Hunger zu stillen und dem Körper Nährstoffe zuzuführen, und umfasst das sinnliche Geschmackserleben.

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