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Inszenierungen des Essens in der Kinder- und Jugendliteratur

Aufklärung – Romantik – Biedermeier

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Sonja Jäkel

Das Motiv des Essens ist in der Kinder- und Jugendliteratur allgegenwärtig – und bisher dennoch kaum erforscht. Dabei weist es weit über seine unmittelbare Körperlichkeit hinaus und trägt als formen- und funktionsreiches Motiv zur Gestaltung literarischer Welten bei. Anhand exemplarischer Texte der Aufklärung, der Romantik und des Biedermeier lotet die Studie aus, wie sich im Mikrokosmos des Essens gesellschaftliche Makrostrukturen und epochenspezifische Konzepte von Kindheit offenbaren. Damit wendet sich die Studie erstmals dem überraschend vielschichtigen Potenzial kinderliterarischer Essensinszenierungen zu und liefert nicht nur einen innovativen Forschungsbeitrag zur Literaturwissenschaft, sondern auch zum interdisziplinären Diskurs um Essen, Kultur und Gesellschaft.
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3.2. Inszenierungen des Essens in der Romantik

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Wenn die Kapitelunterteilung in der vorliegenden Untersuchung entlang der Epochen Aufklärung, Romantik und Biedermeier verläuft, so soll noch einmal auf die Selbstverständlichkeit hingewiesen werden, dass es sich nicht um in sich abgeschlossene und eindeutig abgrenzbare Epochen handelt. Die Gleichzeitigkeit des Ungleichen, d.h. die Pluralität koexistierender literarischer Richtungen verbietet die Vorstellung einer linearen Progression der literarischen Epochen und wirft zugleich die Problematik der Einordnung bestimmter Werke auf. So war das kinderliterarische Feld in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von zwei verschiedenen Strömungen geprägt: Die eine brach mit aufklärerischen Paradigmen und wandte sich neuen Gattungen und Prinzipien zu, die andere führte die literarischen Traditionen der Aufklärung fort, gestaltete sie um und entwickelte sie weiter. So unterschiedlich die romantische und die biedermeierliche Strömung zu sein scheinen, so problematisch gestaltet sich im Falle mancher Autoren und Werke die Zuordnung zur einen oder anderen Epoche. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben oder Friedrich Güll werden zum Beispiel in die Ewers’sche Anthologie der Kinderliteraten der Romantik aufgenommen, in anderen Literaturgeschichten dagegen als biedermeierliche Kinderlied-Dichter vorgestellt.118 Wenn also im Folgenden exemplarische kinderliterarische Texte der Romantik untersucht werden, dann sind sie als Ausdruck von Tendenzen zu begreifen.

Der romantische Geist verhalf Genres, die in der Aufklärung keinen Platz hatten, zur Blüte: Märchen, Sagen, Legenden, Reime, Rätsel, Lieder, hauptsächlich archaische Gattungen, die dem Volksgeist und der nationalen Folklore entsprungen waren. Wo die aufklärerische Kinderliteratur Neues schaffen wollte,...

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