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Constructive dismissal

Fingierte Arbeitgeberkündigung im englischen Kündigungsschutzrecht

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Stephanie Amschler

Das englische Arbeitsrecht enthält eine dem deutschen Recht fremde, jedoch insbesondere im anglo-amerikanischen Rechtskreis weit verbreitete Rechtsfigur: die sogenannte constructive dismissal. Definiert wird sie als Beendigung des Arbeitsvertrags durch den Arbeitnehmer aufgrund von Umständen, die im Verhalten des Arbeitgebers begründet sind und eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen. Liegt hiernach eine constructive dismissal vor, wird eine arbeitgeberseitige Kündigung fingiert. Die jeweiligen Voraussetzungen für die Einordnung als constructive dismissal im Detail sowie die sodann bestehenden Rechtsschutzmöglichkeiten des Arbeitnehmers stehen im Vordergrund dieser Arbeit. Im Anschluss folgt eine vergleichende Analyse der deutschen Rechtslage.
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Teil 2: Voraussetzungen für die Einordnung als constructive dismissal

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Teil 2: Voraussetzungen für die Einordnung als constructive dismissal

Eine constructive dismissal liegt stets dann vor, wenn ein Arbeitnehmer den Arbeitsvertrag aufgrund von Umständen beendet, die im Verhalten des Arbeitgebers begründet liegen und den Arbeitnehmer zu einer außerordentlichen Kündigung berechtigen.64 Da die jeweiligen Anforderungen der Definition an das Verhalten des Arbeitgebers sowie des Arbeitnehmers nicht hinreichend genau sind, haben sich die detaillierten Voraussetzungen für das Vorliegen einer constructive dismissal und deren spezifische Prüfung erst im Laufe der Zeit durch die Rechtsprechung entwickelt. Etabliert hat sich eine dreistufige Prüfung, nach welcher zunächst untersucht wird, ob das Verhalten des Arbeitgebers den Arbeitnehmer zu einer außerordentlichen Kündigung berechtigt. Im Anschluss wird geprüft, ob der Arbeitnehmer den Arbeitsvertrag aufgrund des arbeitgeberseitigen Verhaltens beendet und vorher nicht auf sein Recht zu dieser Beendigung verzichtet hat.65

Diese Vorgehensweise zur Überprüfung des Vorliegens einer constructive dismissal wird in ihren Grundsätzen im Rahmen der gesetzlichen Klagen wegen unfair dismissal und redundancy gleichermaßen angewandt wie im Rahmen der dem common law entstammenden Klage wegen wrongful dismissal. Innerhalb der jeweiligen Prüfungspunkte zeigen sich jedoch im Detail vereinzelt Unterschiede zwischen der Prüfung im Rahmen einer der gesetzlichen und der vom common law geprägten Klage.

Allen dem Arbeitnehmer zur Verfügung stehenden Kündigungsschutzklagen gemein ist, dass die Definition der constructive dismissal die Anforderungen an das Verhalten des Arbeitgebers nur insoweit konkretisiert, als dass dieses Verhalten den Arbeitnehmer...

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