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Südslawen und die deutschsprachige Kultur

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Anetta Buras-Marciniak and Marcin Golaszewski

Thema des Buches ist die gegenseitige Beeinflussung der deutschsprachigen und der südslawischen Kultur, ausgelöst durch die Migrationswelle der Südslawen in die deutschsprachigen Länder infolge des Krieges im ehemaligen Jugoslawien. Die Idee einer friedlichen Koexistenz mehrerer Nationalitäten in einem Staat sowie der Multikulturalitätsgedanke wurden durch den Krieg in Frage gestellt. Die daraufhin einsetzende Migrationswelle hat auch die Gesellschaftsstruktur der deutschsprachigen Länder gravierend beeinflusst. Im Buch wird einerseits das Kulturbild der Südslawen, das in Literatur und Kultur des deutschsprachigen Raums dokumentiert wird, andererseits das deutsche Kulturbild in der Literatur der Südslawen im 20. und 21. Jahrhundert eingehend untersucht.
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Visuell-virtuelle Wanderungen von Kakanien nach Balkanien – Sind das, was bleibt, die ‚Zigeuner‘?

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← 134 | 135 → Frank M. Schuster

Universität Łódź

Als Jugoslawien – bis dahin der Vorzeigevielvölkerstaat im östlichen Europa – in einem blutigen Bürgerkrieg auseinanderbrach, war nach fünfundvierzig Jahren der Krieg nach Europa zurückgekehrt und mit ihm der militante Nationalismus. 1989 war bereits das positive Ende eines negativen Jahrhunderts postuliert worden, nach dem Ende des das 20. Jahrhundert prägenden Machtgegensatzes der Ideologien, der eine Folge der Nationalstaatenbildung und der Weltkriege war. Doch erwies sich diese Prophezeiung einer friedlicheren Welt im 21. Jahrhundert als Irrtum, wie der Historiker Karl Schlögel bezogen auf den Kosovokrieg im Frühjahr 1999 geradezu prophetisch bemerkte: „Europa am Ende des Jahrhunderts, das länger gedauert hat als die Geschichtsphilosophen vorgesehen haben, ist ein großes Déjà-vu.“1

Als der Osten hinter dem rostig-löchrigen Eisernen Vorhang wieder auftauchte, erhielt der Westen auf Grund seiner ökonomischen Stärke die Oberhand, der damit auch gleich seine Wertevorstellungen oktroyierte. Das kam faktisch der Abschaffung dieses Ostens gleich, wie der Osteuropahistoriker Raymond Detrez, von Belgien aus nach Osten blickend, klar erkannte,2 denn alles schien ins Bild zu passen:

Der […] Balkan wurde zum Gegenstück der Europäischen Union, die Europäische Union wurde zum vollkommenen Gegenteil des durch lauter verwerfliche Eigenschaften ← 135 | 136 → gekennzeichneten Balkans. Während auf dem Balkan Staaten in Kleinstaaten zerfielen, machten die westeuropäischen Staaten sich gerade dazu auf, in die glanzvolle neue Einheit der Europäischen Union aufzugehen. Während auf...

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