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Polens Staatlichkeit in sieben Jahrhunderten

Eine völkerrechtliche Analyse zur Staatensukzession

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Adrianna Michel

Das Buch befasst sich mit Polens Geschichte in den vergangenen 700 Jahren und geht der Frage seiner Staatlichkeit nach. In einem historischen Teil werden die seit dem 14. Jahrhundert vereinbarten Unionsabschlüsse mit Litauen, die Teilungen des Landes in den Jahren 1772, 1793 und 1795 und schließlich die staatliche «Wiedererrichtung» nach dem Ersten Weltkrieg vorgestellt. Anschließend beschreibt die Autorin die Voraussetzungen für die Entstehung und den Untergang von Staaten und deren Folgen, erforscht das Verhältnis von Effektivitäts- und Kontinuitätsgrundsatz und hebt die Bedeutung der normativen Kraft des Faktischen hervor. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes tempus regit actum erfolgt in einem dritten Teil die völkerrechtliche Würdigung der Polen betreffenden territorialen und statusrechtlichen Veränderungen.
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1. Kapitel: Vorliegen und Entstehen eines Staates im Völkerrecht

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Die Herausforderung der vorliegenden Arbeit besteht darin, dass sie sich auf mehrere Jahrhunderte der europäischen Geschichte erstreckt und damit auch einen weiten Teil der Völkerrechtsgeschichte umfasst. Für die bevorstehende rechtliche Würdigung des Themas ist es daher unerlässlich, im Rahmen des theoretischen Teils die Entwicklung des Völkerrechts darzustellen.

Das Völkerrecht1 wird in verschiedene Epochen unterteilt, die jeweils im Wandel der Zeit enorme Veränderungen im völkerrechtlichen Verständnis mit sich brachten. Die Geschichte des Völkerrechts kann in folgende Zeitabschnitte unterteilt werden2: Die Antike3 mit dem Römischen Recht4 bis zum Mittelalter im 8. Jahrhundert5 und das kanonische Zeitalter ab dem 8. Jahrhundert. Im ← 109 | 110 → Mittelalter6 existierte noch kein Völkerrecht im modernen Sinne. Der Grund hierfür liegt darin, dass es noch keine auf souveränen Staaten aufbauende Rechtsgemeinschaft gab.7 Demnach kann im Mittelalter nur von Beziehungen zwischen Herrschaftsverbänden und nicht von einer völkerrechtlichen Ordnung gesprochen werden. Um das Jahr 1300 kristallisierte sich erstmals das uns vertraute europäische Staatensystem annähernd heraus, denn seit dem Jahr 1300 bestand Europa aus einer Vielzahl von unabhängigen Staaten, die in völkerrechtlich geordneten Beziehungen zueinander standen.8 Das Zeitalter des Naturrechts9 begann mit dem Hauptwerk des Niederländers Hugo Grotius (1625)10 und erstreckte sich bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts11. In dieser Zeit wurde erstmals erkannt, dass sich das Völkerrecht durch Verträge weiterentwickeln kann. Dies war auch der Grund dafür, dass ab dem 17. Jahrhundert...

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