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Sprachvariation und Sprachreflexion in interkulturellen Kontexten

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Edited By Corinna Peschel and Kerstin Runschke

Linguistik und Sprachdidaktik müssen sich, wollen sie auf der Höhe der wissenschaftlichen Entwicklung bleiben, einiger zentraler Aspekte annehmen. Drei der wichtigsten sollen in diesem Band in ihren Zusammenhängen beleuchtet werden: Sprachvariation, Sprachreflexion und interkulturelle Kommunikation. Diese Trias eröffnet gerade in ihrem Zusammenspiel eine Fülle spannender linguistischer und didaktischer Fragestellungen. Neben der Rolle der Variation im heutigen Deutsch und den daraus folgenden didaktischen Konsequenzen werden neue Aspekte der Sprachreflexion betrachtet. In Zeiten eines immer stärker multikulturell geprägten Europa müssen – in Gesellschaft und Schule – auch Fragen der Sprachvariation und -reflexion noch stärker unter einem interkulturellen Aspekt betrachtet werden.
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Sprache und Sprachbewusstsein in Witzen

1. Einleitung

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Einen Witz erzählen ist ein reichlich komplexes sprachlich-kommunikatives Unterfangen. Wittgenstein führt diese Handlung in den Philosophischen Untersuchungen (PU § 23) unter den Beispielen für Sprachspiele auf und weist damit darauf hin, dass Witze Elemente einer menschlichen Praxis sind, deren Formen, Funktionen und Effekte nur dann verstanden werden können, wenn die Äußerung im Zusammenhang mit relevanten Eigenschaften des Kotextes und des Kontextes analysiert wird: „Ich werde auch das Ganze: der Sprache und der Tätigkeiten, mit denen sie verwoben ist, das »Sprachspiel« nennen.“ (Wittgenstein, PU § 7) Im Fall von Witzen zeichnet das Sprachspiel sich u.a. dadurch aus, dass Wissen über Sprache und Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der sprachlichen Kommunikation für ihr Verständnis als Textsorte und Handlungskonstellation (Ehrhardt 2013) eine wichtige Rolle spielen.

Als erstes Beispiel soll ein Witz dienen, der in Italien kursiert und der in vielen Fällen von Sprechern mit der Bemerkung eingeleitet wird, dass es sich um einen Witz, aber auch um die Beschreibung einer fast schon tragisch zu nennenden Realität handelt:

(1) In einem englischen Postamt stehen die Kunden in einer gut geordneten Schlange und warten geduldig, dass sie an die Reihe kommen. Ein Italiener betritt das Gebäude, geht an allen Wartenden vorbei direkt zum Schalter und möchte Briefmarken kaufen. Einer der Wartenden tippt ihm auf die Schulter und sagt mit einem etwas belehrenden Tonfall: „Geduld ist die Höflichkeit der Könige. Shakespeare.“ Der Italiener antwortet: „Vaffanculo. Pasolini...

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