Show Less
Restricted access

Zur Aktualität klassischer Orgelschulen

Evaluation – Akzeptanz – Ausblick

Diana Rieger

Zeitgemäße Vermittlung und Qualitätssteigerung des Orgelspiels ist seit Jahrhunderten ein zentrales Anliegen von Organisten. Dies spiegelt sich auch in den Orgelschulen wider. Diese Untersuchung betrachtet schwerpunktmäßig repräsentative Lehrwerke des 18. bis 20. Jahrhunderts aus dem deutschen, belgischen, französischen und italienischen Raum, ergänzend angloamerikanische sowie zeitgenössische Schulen. Was aus diesen lehr- und lernbar ist, warum und wie gerade ältere Schulen den Orgelunterricht bereichern können, wird aufgezeigt.
Show Summary Details
Restricted access

2. Deutschland

Extract



Die Orgelspielkunst hat in deutschen Landen eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurück­reicht. In der einschlägigen Fachliteratur hat sich eine geographische Unterteilung in Nord-, Mittel- und Süddeutschland herausgebildet. Diese Differenzierung gründet auf der Unterschiedlichkeit der jeweiligen regionalen Entwicklungen und Ausprägungen von Orgellandschaft und -komposition, welche auch im Zusammenhang mit der konfessionellen Aufspaltung im Zuge der Reformation zu sehen sind: Dem protestantisch gewordenen Norden steht der am römisch-katholischen Bekennt­nis festhaltende Süden gegenüber, während in Mitteldeutschland beide Glaubensrichtungen ne­beneinander existieren. Die Orgel als liturgisches Instrument sowie die auf ihr gespielte Musik blieben hiervon freilich nicht unberührt.

Norddeutschland, das durch den von der Hanse betriebenen Handel wirtschaftlich florierte, brachte über Generationen zahlreiche herausragende Organisten-Komponisten hervor, die die Orgelkunst auf ein enorm hohes Niveau anhoben. Unter der Vielzahl der Repräsentanten sind vor allem herauszuheben: Hieronymus Praetorius (1560–1629), Samuel Scheidt (1587–1654), Heinrich Scheidemann (um 1595–1663), Franz Tunder (1614–1667), Dietrich Buxtehude (um 1637–1707), Vincent Lübeck (1654–1740), Georg Böhm (1661–1733) und Nicolaus Bruhns (1665–1697). Scheidt und Scheidemann erhielten ihre Ausbildung unter anderem bei Jan Pieterszoon Sweelinck (1562–1621). Dessen herausragende Bedeutung beruhte darin, dass er we­sentliche Impulse für die Gattung der Choral- und Tanzvariation gegeben hat, was sich auch im Werkschaffen seiner Schüler widerspiegelt. Im 16.–18. Jahrhundert entwickelte sich ein hochvirtuoses Orgelspiel, das in Wechselwirkung mit einem innovativen Orgelbau stand. Das Klangideal wandelte sich:...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.