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Die Unschuld

Der Mensch im Zwielicht der Willensfreiheit

Hellmuth Kiowsky

Ist der Mensch für seinen Willen verantwortlich? Diese im philosophischen Diskurs so zentrale Frage konnte bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet werden, obwohl es an Ansätzen und Behauptungen nicht mangelt. Die Standpunkte zur Frage nach dem freien Willen sind jedoch so unterschiedlich, dass eine Antwort ausgeschlossen scheint. Das Ziel dieses Buches ist es, die Thematik kritisch zu beleuchten und Schwierigkeiten aufzuzeigen. So widmet sich der Autor unter anderem der Frage nach Verantwortung und Schuldfähigkeit: um für eine Entscheidung zur Verantwortung gezogen werden zu können, bedarf es der Freiheit, Entscheidungen aus freiem Willen treffen zu können.
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III.

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13. Die Möglichkeit der freien Willensentscheidung

Der Standpunkt Augustins zeigt uns die Zweidimensionalität des menschlichen Willens. Einmal die Vorgegebenheit der göttlichen Schöpfung nach deren Plan alles Leben sich bewegt, zum anderen die Möglichkeit der Entscheidung anhand der Eigenheit des menschlichen Willens.

Vertrat der britische Mönch Pelagus die Auffassung, der Mensch sei frei und ohne Sünde geboren, er könne, sich an die Lehre Christi haltend, die Seligkeit selbst erwirken, so trat solchem Augustin entschieden entgegen. Danach war nur Adam als erster Mensch frei von Sünde und auch entscheidungsfrei. Er hätte der Möglichkeit nach die freie Willensentscheidung gehabt, dem göttlichen Willen zu folgen, leidensfrei und unsterblich zu sein. Da er aber vom Teufel verführt der Sünde verfiel, sind alle Menschen mit der verderbten Ursünde belastet. Die Menschen haben die freie Willensentscheidung verloren und sind ihrer Natur nach gezwungenermaßen sündig. Nur durch die Gnade ist Erlösung möglich.

Aufgrund der von Augustin vertretenen Prädestinationslehre, nach der er allein Gottes Willen gelten lässt, war es schwierig, eine Willensfreieit anzunehmen.

Zweifel kommt auf im Denken der Unlogik des Verhältnisses von der Güte Gottes und dem Bösen in der Welt. Gott ist das Gute selbst –„woher kommt es denn, dass ich Böses will und Gutes nicht will?“ Und er fragt weiter: „Wer hat ihn in mir angelegt und besät, diesen Garten voll Bitternis,...

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