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Der Freiheitsbegriff bei Kant

Eine philosophische Untersuchung im Rückblick auf das christliche Freiheitsverständnis

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Igor Nowikow

Die kantische Freiheitsphilosophie stellt eine säkulare Fassung der christlichen Freiheitslehre dar. Diese hat zwei unterschiedliche Grundbegriffe der Freiheit herausgearbeitet: die Freiheit der Wahl zwischen Gut und Böse und die moralische Freiheit. Im Hauptstrom seiner Philosophie stellt Kant allerdings nur den letzten und nicht den ersten Freiheitsbegriff in den Mittelpunkt seines Interesses. Damit entzieht er seiner Moralphilosophie und seiner Rechtslehre ihr eigentliches Fundament und kann dieses Defizit nur in seiner Religionsschrift annähernd ausgleichen. Das umfassende Problem der Freiheit bei Kant diskutiert der Verfasser vor dem Hintergrund zweier, für das Christentum fundamentaler Freiheitslehren: der von Augustinus und der von Luther.
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Kapitel 1: Freiheit bei Augustinus

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Augustinus (354–430) kann als Begründer der abendländischen Freiheitsphilosophie charakterisiert werden.38 Mit dem Thema der Freiheit setzt er sich vor allem in den folgenden Werken auseinander: De libero arbitrio (387–395), Vom Gottesstaat (413–426) und De gratia et libero arbitrio (426 bzw. 427). Das erste Buch der Schrift De libero arbitrio, in dem Augustinus den Grundriss seiner Freiheitslehre darstellt, war 388 abgeschlossen, das heißt zwei Jahre nach seiner Bekehrung zum Christentum (386). De libero arbitrio ist Augustinus’ erste Freiheitsschrift, die zugleich als sein erstes Hauptwerk angesehen wird.39 Ähnlich wie die berühmten Bekenntnisse (397–401), fällt sie in die Jahre seiner Auseinandersetzung mit dem Manichäismus. Die Schriften Vom Gottesstaat und De gratia et libero arbitrio gehören hingegen zu seinem Spätwerk; Augustinus war bereits über 70 Jahre alt, als er sie zum Abschluss brachte. Sie entstanden zur Zeit seiner Auseinandersetzung mit dem Pelagianismus. Da Augustinus in seinem Spätwerk die Rolle der Gnade im Verhältnis zur menschlichen Freiheit immer energischer hervorhebt, wird in der Literatur oftmals zwischen dem frühen und dem späten Augustinus unterschieden, wobei die Zeit zwischen 395 und 397, in der Augustinus den ersten Entwurf seiner Gnadenlehre ausgearbeitet hat, als der Wendepunkt betrachtet wird. Diese Lehre gewinnt seit dem Jahr 411, in dem der Streit zwischen Augustinus und Pelagius einsetzt, immer mehr an Bedeutung.40

Die Untersuchung über die Freiheit bei Augustinus wird sich in erster Linie an seinem monumentalen Werk Vom Gottesstaat orientieren. Im 11. bis...

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