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Der Freiheitsbegriff bei Kant

Eine philosophische Untersuchung im Rückblick auf das christliche Freiheitsverständnis

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Igor Nowikow

Die kantische Freiheitsphilosophie stellt eine säkulare Fassung der christlichen Freiheitslehre dar. Diese hat zwei unterschiedliche Grundbegriffe der Freiheit herausgearbeitet: die Freiheit der Wahl zwischen Gut und Böse und die moralische Freiheit. Im Hauptstrom seiner Philosophie stellt Kant allerdings nur den letzten und nicht den ersten Freiheitsbegriff in den Mittelpunkt seines Interesses. Damit entzieht er seiner Moralphilosophie und seiner Rechtslehre ihr eigentliches Fundament und kann dieses Defizit nur in seiner Religionsschrift annähernd ausgleichen. Das umfassende Problem der Freiheit bei Kant diskutiert der Verfasser vor dem Hintergrund zweier, für das Christentum fundamentaler Freiheitslehren: der von Augustinus und der von Luther.
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Kapitel 8: Abschließende Überlegungen

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Die Untersuchung über den Freiheitsbegriff bei Kant im Kontext der christlichen Tradition legt die eigentümliche „Zwiegesichtigkeit“1231 seines Ansatzes offen. Kant steht vor dem Hintergrund der zwei großen abendländischen Traditionen, und zwar der älteren, christlichen und der jüngeren, naturwissenschaftlichen Tradition, wie sich diese seit Anfang des 17. Jahrhunderts herausgebildet hat. Im Verlauf der Darstellung der kantischen Freiheitslehre wurde deutlich, dass Kant diese beiden Geistesströmungen in Einklang zu bringen versucht, infolgedessen seine Philosophie durch zahlreiche Spannungsmomente gekennzeichnet ist. Zum Schluss sei daher das Problem der Freiheit im Kontext des Verhältnisses zwischen Naturwissenschaft und Glauben kurz diskutiert. Es handelt sich um ein Thema, das von größter Aktualität ist.

Als Wissenschaftler ist Kant von der Methodik der neuzeitlichen Naturwissenschaften beeinflusst. Er erwähnt in diesem Zusammenhang Namen wie Kopernikus, Bacon, Galilei und Newton.1232 Die Naturwissenschaft ist nach seiner Auffassung erst mit der Neuzeit „in den sicheren Gang einer Wissenschaft gebracht worden“.1233 Die Naturforscher hätten begriffen, „daß die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt“.1234 Diese Methode, mit deren Hilfe im alten Griechenland die Mathematik als Wissenschaft begründet wurde,1235 betrachtet Kant als vorbildlich im Hinblick auf die Neubegründung der Metaphysik. Wird näher betrachtet, was sich hinter Kants Worten, dass die Vernunft nur das einsehe, was sie nach ihrem Entwurf hervorbringe, verbirgt, dann wird deutlich, dass es sich um den Gedanken handelt, dass die Vernunft zunächst von allen Phänomenen gänzlich abstrahieren...

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