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Mutter- und Vaterbilder im Familienrecht des BGB 1900–2010

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Moritz Hinz

Die Normen des Bürgerlichen Gesetzbuchs über die Rechtsstellung von Müttern und Vätern im Bereich des Rechts der elterlichen Sorge beruhen zum Teil auf stereotypen Rollenbildern und tradierten Funktionszuschreibungen. Die langlebigsten Vorstellungen bestimmter Charaktere finden sich im Nichtehelichenrecht. Der Autor zeichnet die Entwicklung der Mutter- und Vaterbilder sowohl im Bereich des ehelichen wie auch des nichtehelichen Kindschaftsrechts in historischen Zeitabschnitten nach. Die Untersuchung beginnt mit den Grundlagen des modernen deutschen Familienrechts in der Aufklärung und folgt der Entwicklung über das deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik, die nationalsozialistische Periode bis in die heutige Bundesrepublik. Detailliert untersucht werden dabei die jeweils geltenden Normen, Gesetzesmaterialien, die Rechtsprechung sowie ein breites Spektrum zeitgenössischer rechtswissenschaftlicher Literatur. Der Autor nimmt Stellung zu alten und neuen Stereotypen im Familienrecht wie denen des Zahlvaters und des an seinem nichtehelichen Kinde desinteressierten Vaters und zum Bestehen eines Muttermythos.
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D. Mutterkult und Führerprinzip – Das Vater- und Mutterbild des deutschen Rechts im Nationalsozialismus

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Der Nationalsozialismus traf zu Beginn seiner Herrschaft 1933 auf eine Juristenschaft, die sich trotz fehlender Umsetzung ins materielle Recht zunehmend mit dem Gedanken der Gleichberechtigung der Frau und Mutter in Ehe und Familie abgefunden hatte. Zu Beginn der dreißiger Jahre wiesen die Debattenbeiträge aus der organisierten Juristenschaft auf eine vorherrschende Ansicht hin, wonach man das Familienrecht des BGB den Gegebenheiten einer neuen Zeit anpassen müsse. Die patriarchalische Ehe- und Familienstruktur müsse den „veränderten wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Funktionen der Frauen“467 angepasst werden, indem man „die Anerkennung der persönlichen und sachlichen Gleichstellung der Frau und Mutter“468 endlich Rechtswirklichkeit werden lasse. Die Reformvorschläge von Seiten der Wissenschaft gingen in dieselbe Richtung.469 Auch und gerade für die Rechtsprechung weist Mestwerdt eine weitgehende Einschränkung und Uminterpretierung des ehemännlichen bzw. väterlichen Entscheidungsrechts nach und kommt zu dem Schluss, dass zum Ende der Weimarer Republik „der Gedanke der Gleichberechtigung praktisch schon weitgehend verwirklicht“ gewesen sei.470 Diese Gesamtsituation veranlasste Marianne Weber am Ende des 36. Deutschen Juristentages 1931 in Lübeck zu der Feststellung, sie habe „die volle Bereitwilligkeit dieses hochansehnlichen Kreises von Fachvertretern gespürt, die Selbstmündigkeit des weiblichen Geschlechts anzuerkennen und nunmehr ← 137 | 138 → auch in den Ehegesetzen zu verankern“.471 Nach wie vor bestand aber das gesetzliche Leitbild der Hausfrauenehe, nach dessen Rollenverteilung der Mann und Vater dem außerhäuslichen Erwerb nachging und die Mutter sich um Haushalt und Kindererziehung kümmerte.472 Trotz zunehmender außerhäuslicher Erwerbsarbeit von...

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