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Der junge Adolf Bastian, 1826 bis 1860

Auf dem Weg zu einer neuen Wissenschaft vom Menschen

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Jutta E. Bellers

Adolf Bastian etablierte die Ethnologie als akademisches Fach. Die Biographie seiner frühen Lebensphase war bislang ethnologiegeschichtlich ein Desiderat. Archivalische Quellen beleuchten Einflüsse auf sein Denken aus dem protestantischen Bremer Bürgertum und seiner Studienzeit im Vormärz. Über ethnologische Fragestellungen hinaus führt dies zu philosophischen Überlegungen seiner Idee einer Wissenschaft vom Menschen, seinen Idealen und Hoffnungen in die Forschung. Impulse dazu entstammen dem Denken Spinozas, Kants, Herder, Humboldt, Krauses und Fechners. Infolgedessen unternimmt er eine Weltreise. In dem neu bearbeiteten Itinerar ist Angola eine seiner Stationen. Zu dieser Etappe verfasste Bastian einen Reisebericht. Dieser enthält seine Sicht auf afrikanische Glaubensvorstellungen.
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2. Familie und Bildung, 1826–1845

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2. Familie und Bildung, 1826–1845

Philipp Wilhelm Adolf Bastian wurde am 26. Juni 1826 in Bremen geboren und verbrachte seine Jugend in der Solidargemeinschaft einer begüterten Bürgerfamilie. Seine Großmutter Dorothea Maria, geborene Dwerhagen (1765–1852), hatte 1851 in einem von zwei Senatoren beurkundeten Testament die Verwendung ihres Vermögens geregelt, das zum Wohl ihrer Nachkommen in einer Familien-Stiftung verwaltet werden sollte.39 Als Witwe des Kaufmanns Johann Wilhelm Bastian (1756–1827) bedachte sie damit einen Personenkreis von 15 Kindern, elf Ehepartnern und über 100 Enkeln und Urenkeln. Ihre verheirateten Söhne und Töchter hatten zwischen sieben und elf Kinder so dass ihr siebter Sohn Hermann Theodor (1796–1866) mit seiner Frau Christine Friedericke Auguste (1803–1873) als Eltern von Bastian und seinen acht Geschwistern dafür durchaus repräsentativ waren.40

Die Kaufmannswitwe empfahl ihren Familienmitgliedern, alle Veränderungen des Familienstandes durch Geburt, Heirat oder Tod dem Verwalter ihres Erbes anzugeben, damit das Wissen über die Familie in einem Stammbuch festgehalten werden könne und nur eheliche Nachkommen einen Anspruch geltend machen könnten.41 Die Erfassung der Deszendenz hat in privaten Aufzeichnungen eine lange Tradition, eine Systematisierung und Erfassung von staatlicher Seite ist in Bremen durch neue Rechtsvorschriften während der französischen Besatzungszeit von 1810 bis 1813 erfolgt. Das Civilstandsamt des Senats stellte seit 1814 Personendaten zusammen, um in Erbrechtsverfahren und zur Steuererhebung Grundlagen zu schaffen, aber auch um zuerkannte Bürgerrechte zu dokumentieren und somit den Zuzug Ortsfremder zu kontrollieren. 42...

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