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Vom NS-Volkstum- zum Vertriebenenfunktionär

Die Gründungsmitglieder des "Südostdeutschen Kulturwerks</I> München und der Landsmannschaften der Deutschen aus Rumänien, Ungarn und Jugoslawien

Johann Böhm and Klaus Popa

In dieser Studie werden jene Personen der Öffentlichkeit in Erinnerung gebracht, die die Kriminalität des staatlich institutionalisierten Nationalsozialismus innerhalb der deutschen Volksgruppen in Rumänien, Ungarn und dem ehemaligen Jugoslawien unterstützten und die deutsche Bevölkerung einem verbrecherischen Regime auslieferten. Nach 1945 beherrschten diese ehemaligen Nazis nicht nur die Landsmannschaften der Deutschen aus diesen Ländern in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch das Südostdeutsche Kulturwerk und die Südostdeutschen Vierteljahresblätter. So konnten sie ihre fragwürdige Geschichtsauffassung ungestört verbreiten und ihre Kritiker mit Schmähkampagnen und Einschüchterungsversuchen verunglimpfen. Deshalb widmet sich diese Arbeit der Frage, wie es möglich war, dass sich diese Vertriebenenpolitiker mit brauner Vergangenheit nach 1945 wieder an die Spitze ihrer Landsleute setzen konnten.
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II. Reaktionen ehemaliger NS-Funktionäre in der Landsmannschaftsführung der Siebenbürger Sachsen und in der „Arbeitsgemeinschaft für Südostdeutsche Volks- und Heimatforschung“ des Fritz Cloos auf Buchveröffentlichungen, die nicht in ihrem Sinne waren

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Johann Böhm

Während meiner Recherchearbeiten über die deutschen Volksgruppen in Rumänien, Ungarn und dem ehemaligen Jugoslawien von 1933 bis Ende 1944 konnte ich beobachten, dass Erinnerungen, die das gemeinschaftliche Gedächtnis prägen, an Lebensräume und Schicksalsgemeinschaften gebunden sind; so entstanden in der Zeit von 1933 bis 1945 und auch danach bei den Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben ganz eigene Erinnerungs- und Selektionsmuster. Die Zwischenkriegs- und Kriegszeit löste auch bei ihnen erschreckende Reaktionen aus wie Akzeptanz der Naziherrschaft, bei vielen aber Angst, Leid, Schuld und Trauma, die jedoch früh vorsortiert, vergessen und verdrängt wurden. Die Mehrheit mied nach 1945 den Speicher, in dem die dunklen Seiten eingelagert waren. Als es mir 1969 gelang, mich über Österreich zu meiner Großmutter, meinen Onkeln und Tanten in die Bundesrepublik Deutschland abzusetzen, befiel mich ein blankes Entsetzen als ich vernahm, dass die ehemaligen Nazis – die nach 1940 mit Unterstützung Hitlerdeutschlands die Führung der deutschen Volksgruppe in Rumänien übernommen hatten, sie gleichschalteten und uns in die größte Katastrophe unserer Geschichte stürzten – die Führungen der Landsmannschaften der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben auf Bundes-, Landes- und Kreisebene beherrschten.

Ich habe mich zeitlebens als Siebenbürger Sachse gefühlt und tue das auch heute noch, weil diese Deutschen ein fleißiges, ehrliches und friedliebendes Völkchen waren und sind. Daher kann ich nur schwer verstehen, wie die große Masse dieser Deutschen es dulden konnte,...

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